"Die Häuser denen, die drin wohnen", steht außen drauf. Drinnen eskalierte die Auseinandersetzung mit dem Eigentümer zuletzt. - © bs
"Die Häuser denen, die drin wohnen", steht außen drauf. Drinnen eskalierte die Auseinandersetzung mit dem Eigentümer zuletzt. - © bs

Wien. Es bleibt spannend in der Mühlfeldgasse 12. In dem Haus in der Leopoldstadt gibt es seit Juni 2011 Auseinandersetzungen zwischen den Mietern und dem Eigentümer, der Castella GmbH. Ein Vertreter dieser Firma erklärte nun gegenüber der "Wiener Zeitung", dass aus seiner Sicht das Haus besetzt, die Angelegenheit daher an die Polizei weitergeleitet und eine Delogierungsklage eingereicht worden sei. Denn: "Diese Leute, die sich dort aufhalten, kennen wir nicht."

Auf Nachfrage, ob sich die Klage auf den "Verein zur Nutzung leer stehender Räume" beziehe, der seit Ende November 2011 das ehemalige Lokal einer Pizzeria im Erdgeschoß nutzt, oder die Räumung auch die verbliebenen Mieter des Hauses miteinschließe, wollte der Eigentümer-Vertreter keine weiteren Details bekanntgeben. Auch will er erst mehr zu dieser Angelegenheit sagen, wenn die Räumung abgeschlossen ist.

Mieter verunsichert, wollen aber bleiben


Räumungsklagen sind für die Bestandsmieter des Hauses keine Neuigkeit. "Das passiert dauernd", weiß der Mietrechtsexperte Josef Iraschko. "Denn wenn einer vergisst, dagegen Einspruch zu erheben, wird der Räumungstitel rechtskräftig." Iraschko kennt die Situation in der Mühlfeldgasse aus eigener Anschauung seit Anfang August. Damals wurde er zu Hilfe gerufen, als die Auseinandersetzung der Mieter mit dem Eigentümer eskalierte. Dieser war - ohne Delogierungsbeschluss - mit einem Schlüsseldienst, Bauarbeitern und Privatdetektiven angerückt, um die Schlösser der Wohnungen auszutauschen und den Eingang der Pizzeria zuzumauern. Außerdem ist aufgebrachten Mietern und Menschen, die ihnen zu Hilfe eilen wollten, der weitere Zutritt verwehrt worden.

Die Angst vor weiteren Schikanen seitens des Eigentümers ist groß. Ein Mieter, der beim Lokalaugenschein der "Wiener Zeitung" vor Ort ist, durch das Stiegenhaus führt und dabei von der aktuellen Situation im Haus erzählt, will seinen Namen lieber nicht nennen. Bei der Führung zeigt er auf Spuren von ausgeschüttetem Öl, vor einer Türe stehen die Ziegel, mit denen der Eingang zugemauert werden sollte. Auch einen Chemikalienanschlag mit Buttersäure soll es gegeben haben. Zwei Türen sind mit Spray beschmiert worden, zufällig sind die Wohnungen hinter diesen Türen, die einzigen, die noch von regulären Mietern bewohnt werden. Die Täter sind unbekannt, allerdings sei - als die Türen besprayt wurden - das Haustor versperrt gewesen, alle Bewohner seien in der Pizzeria gewesen, es müsse also jemand gewesen sein, der einen Schlüssel gehabt habe.

Wer auch immer für die Vandalenakte verantwortlich ist, sie führen dazu, dass sich die verbliebenen Mieter unsicher fühlen. Bereits unter dem Voreigentümer sollen rund 13 Parteien aus ihren Wohnungen gedrängt worden sein. Von den drei Mietern, die noch in der Mühlfeldgasse 12 wohnten, hat sich inzwischen einer mit dem neuen Eigentümer geeinigt, die anderen - teilweise schon vier Jahrzehnte im Haus - wollen bleiben. Diese erhalten Unterstützung durch den Rechtshilfefonds der Stadt Wien, einer Einrichtung des Wohnbau-Ressorts. Denn die Situation in der Mühlfeldgasse ist der Stadt bekannt. Im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten wird der Eigentümer durch Kontrollen der Baupolizei oder des Gesundheitsamts an seine Pflichten erinnert. Und auch der Eigentümer ist der Stadt bereits bekannt, der auch mit anderen Firmen und in Besitz anderer Häuser mit ähnlichen Maßnahmen arbeiten soll.

"Besetzer" helfen im Streit mit Eigentümer


Unterstützung bekommen die restlichen Bewohner auch von den Prekariatsmietern in der Pizzeria. Auch von ihnen will zur Sicherheit niemand namentlich genannt werden. Ursprünglich habe es eine "Einladung" der Eigentümer an die Bewohner der "Pankahyttn" gegeben, womöglich mit dem Hintergedanken, die übrigen Mieter durch die "Besetzer" zu vergraulen. Stattdessen haben sich alle verbündet: "Wir wollen, dass die Altmieter beschützt sind. Durch uns haben sie eine gewisse Sicherheit", erklären sie, warum sie hier sind. Und auch noch bleiben wollen.