Die Schraubenfabrik im 2. Bezirk hat sich als Coworking-Space in der Stadt bereits etabliert. - © office@christophlepka.at / Christoph Lepka
Die Schraubenfabrik im 2. Bezirk hat sich als Coworking-Space in der Stadt bereits etabliert. - © office@christophlepka.at / Christoph Lepka

Wien. Die Schraubenfabrik im 2. Bezirk in der Lilienbrunngasse 18 feierte unlängst ihr zehnjähriges Jubiläum. Die jungen aufstrebenden EPU (Einzelpersonenunternehmen) sind erwachsen geworden. Die Büro-Gemeinschaft, die so viel mehr ist als das, hat sich bewährt und gefestigt. "Gewutzelt wird kaum noch", erzählt Stefan Leitner-Sidl, Mitgründer der Initiative. Viele sind Eltern geworden, bleiben oft nicht mehr so lange. Dafür sei aber das tägliche gemeinsame Mittagessen zum Ritual geworden, und die Besprechungsräume würden viel öfter genutzt als früher. Der soziale Aspekt ist es auch, der nicht nur der Schraubenfabrik im Jahr 2002 zu neuem Leben verhalf, auch den vielen Startups der letzten Jahre ging es vor allem um eines: das soziale Vernetzen, sich gegenseitig Austauschen, miteinander kreativ Sein und bestenfalls mit guten Ideen viel Geld verdienen.

Soziales Bedürfnis

Mit 25 Arbeitsplätzen ist die Schraubenfabrik heute in Wien das älteste Modell des sogenannten Coworking-Space (zusammenarbeiten in einem Raum) und etabliert. Aus eigenem Antrieb hat Leitner-Sidl mit seinem Partner Michael Pöll die alte Fabrik gemietet, um sie an seinesgleichen weiterzuvermieten. "Wir waren Homeoffice-Flüchtlinge", erzählt er. Als Selbständiger fehlte der soziale Kontakt, die Möglichkeit, sich zwanglos bei einem Kaffee auszutauschen. Die beruflichen Synergien seien nebenbei hinzugekommen. Das Fabriksloft bietet ein Großraumbüro, eine Café-Bar-Terrasse und einen Wutzler (Tischfussball) als soziale Mitte.

Die Gründer des Projekts, Mieter und Vermieter der Schraubenfabrik haben in Folge weitere Gebäude in der Stadt gemietet. Die Hutfabrik in der Hofmühlgasse im 6. Bezirk beherbergt 15 Mieter. Der Rochuspark wurde 2007 eröffnet: Die alte Schmiede in der Erdbergstraße 10 hat 50 Arbeitsplätze im Großraumbüro. "Wir schnüren Allinclusive-Pakete. Sämtliche Büroleistungen sind darin abgedeckt, die Community und das Netzwerk gibt es gratis dazu", so Leitner-Sidl. Das Businessmodell Coworken an einem Platz hat für die Schraubenfabrik einen sozialen Hintergrund. Man wollte kein 08/15-Büro, sondern eine besondere Atmosphäre. Eine Tagesmutter aufzunehmen, wird derzeit angedacht.

Die Kunden kommen vor allem aus der Kreativbranche. Die Arbeitsplätze kosten zwischen 250 und 300 Euro im Monat. Die Schraubenfabrik ist Pionier in Österreich, "vermutlich auch international", meint Leitner-Sidl. Im Jahr 2006 wurde in San Francisco der Citizen Space - Coworking gegründet; "Jetzt heißt es immer, Coworking kommt aus Amerika, bei uns gab es das schon 2002."

Während die Schraubenfabrik eine stabil gewachsene Community hat, gibt es zahlreiche nachfolgende Coworking-Spaces in Wien, die von einem ständigen Wechsel der Arbeitsplätze leben, wie Sektor 5 GmbH in der Siebenbrunnengasse 44 im 5. Bezirk.

Das Unternehmen gibt es seit September 2010. Gründer Yves Schulz war It-Manager in einem amerikanischen Großunternehmen und frustriert. Nachdem er einen Bericht über das Beta-Haus in Berlin gelesen hatte, fuhr er kurzerhand hin und wusste, dass er so etwas auch machen wollte. Auf rund 600 Quadratmetern mit 70 Arbeitsplätzen, wovon über 60 derzeit belegt sind, bietet er ein flexibles System an: Es gibt Tages- und Monatstickets und immer ein gewisses Kontingent an freien Plätzen. Das Monatsticket gibt es ab 170 Euro, der Fixplatz kostet 230 Euro, und es gibt ein 10er-Ticket, welches innerhalb eines gewissen Zeitraumes aufgebraucht werden kann. Bei ihm wurde etwa ein App für Diabetiker entwickelt.

Rückbesinnung


Das Konzept des Coworken ist für Schulz gar nicht neu. Vielmehr eine Rückbesinnung, "auf etwas, das es schon mal gab". Früher hätte es in Wien Gewerbehöfe gegeben, wo sich etwa Schmiede zusammengetan haben. Es sei ein altes Modell, neu aufgelegt. "Als IT-Manager habe ich zwar mehr verdient, aber heute bin ich glücklicher", sagt Schulz.

Fünf Jahre nach Gründung der Schraubenfabrik etablierte die Stadt Wien "Mingo Services". Aus dem ehemaligen Wirtschaftsförderungsfonds wurde die Wirtschaftsagentur Wien, die unter dem Namen Mingo (Move in and grow) Arbeitsplätze für Startups fördert. Die Einpersonenunternehmen sollen mit Beratungscoachings noch in der Vorgründungsphase abgeholt werden.

Stadträtin Renate Brauner besichtigte die Mingo Büros. - © Moritz Ziegler/Wiener Zeitung
Stadträtin Renate Brauner besichtigte die Mingo Büros. - © Moritz Ziegler/Wiener Zeitung

Die Mingo-Büros, die seit 2007 von der Stadt angeboten werden, kosten ab 380 Euro im Monat inklusive Rezeption, Postverteilung, Internet, etc. Mit der Standortwahl will die Stadt Wien Impulse setzen. Nicht an Nobeladressen sollen sie liegen, sondern in aufkommenden Grätzeln. Und so bezog "Mingo Büros" im August den Standort Media Quarter Marx im dritten Bezirk. Von den 26 Arbeitsplätzen sind nur noch zwei frei. "Die Idee ist das Netzwerken untereinander", sagte Stadträtin Renate Brauner bei einer Besichtigung der neuen Räumlichkeiten am Dienstag. Auch die tagesweise Anmietung von Arbeitsplätzen ist im Konzept der Stadt enthalten.

Die Flexibilität ist auch Grundsatz von Hub Vienna, das es seit 2010 in der Lindengasse im 7. Bezirk gibt. Im Jahr 2005 gab es den ersten Hub (Knotenpunkt) in London, seitdem breitet sich das Business-Modell weiter aus. Das Großraumbüro bietet rund 50 Arbeitsplätze. Je nachdem, wie lange und wie oft man einen Arbeitsplatz braucht, belaufen sich die Kosten auf 20 Euro im Monat aufwärts. "Wir sind für Menschen mit innovativen Ideen da", erzählt Mitgründer Matthias Reisinger. Mit drei Kollegen hat er den Standort finanziert. "Voneinander lernen" ist die oberste Devise.