Wien. Sich ein Taxi zu rufen hat sich in manchen Städten regelrecht zu einer Kunstform entwickelt. Über Jahrzehnte praktizieren Reisende ausgeklügelte Rituale, um Taxifahrer auf sich aufmerksam zu machen. Die Verzweifelten fuchteln wild auf offener Straße mit beiden Händen, die Geschickteren beherrschen die Physik des Pfeifens und die Geübten wissen ein dezentes Winken gekonnt einzusetzen.

2009 hat das deutsche Start-Up-Unternehmen myTaxi eine effizientere Methode gefunden. Mit Apps soll zusammenführt werden, was zusammengehört - ohne Körpereinsatz. Die myTaxi-App erlaubt Smartphone-Nutzern, Taxis in ihrer Umgebung via GPS zu orten und gleich zu bestellen. Der Fahrgast kann angeben, ob er bar oder mit Kreditkarte zahlen will, einen Hund mitführt oder einen Kurierdienst braucht. Außerdem hat er nicht nur den Namen und die Telefonnummer des angefragten Lenkers, sondern auch dessen Foto und eine Leistungs-Bewertung von anderen Gästen.

Seit Sommer 2011 wird die App auch in Wien angeboten. Wie viele Wiener Taxis die App benützen, will das Hamburger Unternehmen nicht sagen, lediglich, dass es derzeit weltweit über 18.000 angeschlossene Taxis verfügt, darunter in Polen, Spanien und bald in den USA.

Sich ein Taxi "herdrücken"

Leo Müllner hat myTaxi genau im Visier. Der Geschäftsführer der Wiener Taxizentrale 40100 hat minutiös im Internet die Karte der deutschen Konkurrenz studiert, auf der gezeigt wird, in welcher Stadt wie viele Taxis die App installiert haben. "40 habe ich in Wien gezählt", grummelt er. Peanuts für 40100.

Von den rund 4500 Taxis in Wien haben 1700 Verträge mit Müllners Funkzentrale, weitere 800 mit dem zweiten Platzhirsch der Taxibranche 31300.

Dennoch ist der "Start-Up-Star", wie myTaxi in deutschen Medien angepriesen wird, den Wienern Taxizentralen ein Dorn im Auge. Seit Jahrzehnten beherrschen sie den hiesigen Markt. Wer ein Taxi will, bestellt es sich über ihre Dienste oder versucht sein Glück eben allein auf der Straße. Nun hat sich das Blatt gewendet. Wer eine App hat, braucht keine Funkzentrale mehr, er drückt sich sein Taxi einfach herbei. Und auch die Fahrer kommen billiger weg. Für jede erfolgreich vermittelte Fahrt verlangt myTaxi eine Provision von 99 Cent. Der Anschluss an eine Taxifunkzentrale wie 40100 kostet ihn monatlich hingegen 529 Euro.