Wien. Gerade erst online gegangen, und schon gibt es sieben Meldungen, laufend werden es mehr: der Leerstandsmelder der IG Kultur - einer Serviceeinrichtung für freie Kulturschaffende - soll ein Online-Verzeichnis von ungenutzten Objekten werden. Da ist unter anderem das "Haus der Bilder" im 7. Bezirk zu finden, das zumindest teilweise seit mindestens fünf Jahren leer stehen soll. Abrissgerüchte gibt es keine. Aber nicht nur Bürogebäude wie dieses, auch Wohnhäuser können eingetragen werden oder Gewerbeimmobilien wie eine alte Tankstelle.

Eintragen kann jeder, der sich auf der Plattform registriert, die angegebenen Adressen werden dann durch einen roten Punkt auf einem Stadtplan sichtbar gemacht. Unter den Meldungen können Kommentare abgegeben werden, wie zum Beispiel dann, wenn es doch kein Leerstand mehr ist, eine Nachnutzung gefunden oder das Gebäude abgerissen wurde. Dann soll aus dem roten Punkt ein grauer werden und aus der aktuellen Leerstandsmeldung ein Archiv, das die Geschichte der Nicht- und Wieder-Nutzung transparent machen soll.

In Hamburg, die erste Stadt, in der der Leerstandsmelder vor zwei Jahren gestartet wurde, gibt es 663 Einträge. In Bremen ist die Plattform rund ein Jahr alt und weist 391 Meldungen auf. Auch in Wien wird erwartet, dass sich die Karte recht schnell füllt, wie IG-Vorstandsmitglied Willi Hejda bei der Präsentation des Wiener Leerstandsmelders am Dienstag erklärte. Sinn dahinter ist es in erster Linie, eine Diskussion darüber zu eröffnen, wie in der Stadt mit Leerstand umgegangen wird bzw. werden kann. Es geht nicht darum "Vermittlungsarbeit zu leisten und damit die Rolle eines Immobilienportals zu übernehmen", so Anna Hirschmann, Mitinitiatorin des Leerstandsmelders.

Nicht bekannt, wie viel in Wien leer steht

Zahlen und Daten in Sachen Leerstand zu erheben ist auch eine der Empfehlungen, die sich aus der Studie "Perspektive Leerstand" zum Thema Leerstandsnutzung ableiten lassen, die ebenfalls am Dienstag präsentiert wurde. Die Studienautorinnen Wencke Hertzsch und Mara Verlic von der TU Wien hielten dabei fest, dass nicht bekannt ist, wie viele leer stehende Räumlichkeiten es in Wien gibt. Die letzte Untersuchung in Bezug auf Wohnungen stammte aus dem Jahr 1996, damals gab es 45.400 leer stehende Apartments. Daten zu ungenutzten Geschäftslokalen werden zum Teil von der Wirtschaftskammer Österreich auf der Plattform "leerelokale.at" erfasst - allerdings nur jene, die zur Vermietung angeboten werden. Notwendig sei ein ressortübergreifendes Leerstandsmanagement, das eine gesamtstädtische Perspektive habe.

In Bezug auf die "Agentur für Zwischennutzung", die im Regierungsübereinkommen vorgesehen ist, beklagt IG-Vorstand Hejda, dass mit der IG Kultur nicht geredet werde.

Zwischennutzungs-Agentur im Werden

Eine Dialogverweigerung gegenüber der IG Kultur sehe man nicht, immerhin habe man auch die Studie mitfinanziert, so eine Sprecherin des Kulturressorts. Erst müsse aber eine magistratsinterne Arbeitsgruppe die notwendigen Voraussetzungen schaffen, bevor man nach außen gehe und mit anderen Gruppen wie der IG Kultur, der Immobilienwirtschaft oder der Wirtschaftskammer reden. An der Arbeitsgruppe seien derzeit Mitarbeiter aus jenen Ressorts beteiligt, die entweder von Anbieter- oder Nutzerseite etwas dazu beitragen könnten, wie Wohnbau, Stadtplanung, Finanzen oder Kultur, heißt es aus dem Kulturressort der Stadt.