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"Wiener Zeitung": Ihr Verein open3.at arbeitet eng mit der Stadt Wien zusammen. Was läuft denn da zwischen Ihnen und der Stadt?

Robert Harm: Die Stadt Wien nimmt ihre Open-Government-Strategie sehr ernst und sucht den Kontakt zur Community. Seit Beginn gibt es regelmäßige Treffen für Feedback und Ideen. Auch über soziale Medien wie Twitter findet ein Austausch statt. Mit den Daten, die uns die Stadt seit 2011 zur Verfügung stellt, werden Anwendungen, wie mobile Apps oder Visualisierungen entwickelt.

So haben Sie 2011 die "Toilet Map Vienna" erstellt, mit der man öffentliche Toiletten findet.

Ja, das war mein erster praktischer Berührungspunkt mit Open Data der Stadt Wien.

Verdienen Sie etwas daran?

Nein, open3.at ist ein Non-Profit-Verein. Es gibt natürlich Versuche, auch verschiedene Geschäftsmodelle im Open-Data-Bereich zu etablieren.

Welche Interessen verfolgt die Stadt Wien, wenn sie Daten zur Verfügung stellt?

Mit der Öffnung ihrer Daten schafft die Stadt einen Mehrwert, etwa in Form von Apps. So erfährt der Bürger, was in der Stadt passiert. Auch in Richtung politischer Partizipation kann das der Stadt eine höhere Beteiligung der Bürger am politischen Geschehen bringen - ohne Rohdaten ist schließlich kein fundierter Diskurs möglich. Das sieht man bundesweit im Fall der Wehrpflicht-Debatte. Hier wird fast ausschließlich über Ideologien, aber nicht über konkrete Fakten wie Kosten einzelner Modelle diskutiert. In Großbritannien etwa gibt es unter dem Stichwort "Open Spending" schon längst einen viel größeren Einblick in Budgets und Zahlungsflüsse, z.B. durch Projekte wie wheredoesmymoneygo.org.

Welche Projekte setzt die Open-Data-Community derzeit um?

Beim Create Camp der Wiener Linien vergangene Woche wurden in nur 48 Stunden 15 Projekte durchgeführt, deren EntwicklerInnen nur noch darauf warten, dass die neue Echtzeitplattform der Wiener Linien im Sinne von Open Data dauerhaft zugänglich gemacht wird. Dann wären sofort mobile Applikationen verfügbar, wie etwa wann die nächste U-Bahn im Umkreis abfährt oder welche Aufzüge im U-Bahn-Bereich ausgefallen sind. Die Verkehrsdaten sind natürlich die begehrtesten Daten - da warten alle drauf. Die weitere Entwicklung hängt jetzt von den Wiener Linien ab. Für das Camp hatten sie ihre Daten für 48 Stunden freigeschaltet und im Moment wird das Feedback der Entwickler eingearbeitet. Ob und wann eine dauerhafte Freigabe erfolgt, ist jetzt jedenfalls keine technische Frage mehr.

Hat Wien im Open-Data-Bereich wirklich eine Vorreiterrolle?

Die Stadt hat auf jeden Fall eine Vorreiterrolle in der Organisation und Koordination sowie Kooperation mit anderen deutschsprachigen Ländern. Worin wir noch ein bisschen hinterherhinken im Gegensatz zu England ist die Anzahl der offenen Datensätze. In Österreich sind es derzeit 600, in Wien 150. Ein Datensatz ist etwa der Wiener Stadtplan. 600 ist im internationalen Vergleich nicht viel. Wobei in Österreich sehr auf Qualität geschaut wird, das ist auch gut. Auf Bundesebene fehlt es noch an politischen Willen. Die kleine Gemeinde Engerwitzdorf hat mehr Datensätze veröffentlicht als alle beteiligten Bundesorganisationen.

Robert Harm ist Vorstand des Vereins open3.at zur Förderung von OpenData in Österreich.