Wien. Knapp war es, sagt Martin Staudinger, denn das Donaukanaltreiben hätte fast abgesagt werden müssen. Der Veranstalter des heute, Freitag, startenden Festivals verweist auf den Pegelstand des Donaukanals, der in den vergangenen Tagen fast auf gleicher Höhe mit der Promenade war. Obwohl für den Eröffnungstag Gewitter angesagt sind, ist Staudinger zuversichtlich, dass alles wie geplant stattfinden könne.

Einzig die Fahrerlaubnis für die Bootstaxis, die zwischen den Ufern hin und her pendeln sollen, sei noch nicht gesichert. "Das werden wir kurzfristig erfahren", sagt Staudinger. Bootstaxi-Betreiber Johann Litschauer ist skeptisch. "Über einem Wasserstand bei der Schwedenbrücke von 4,8 Metern sind Fahrten auf dem Donaukanal nicht erlaubt", sagt er. Derzeit würde man etwa einen Meter über dem Limit stehen. Litschauer schätzt, dass der Wasserstand in den nächsten Tagen nur sehr langsam zurück gehen werde. Er rechnet mit etwa zehn bis 15 Zentimetern pro Tag. Damit werde es sich nicht ausgehen, dass die Bootstaxis beim Donaukanaltreiben wie gewohnt zum Einsatz kommen.

Keine Entlastung durch den Donaukanal

Obwohl der Pegelstand des Donaukanals derzeit sehr hoch ist, sei der Kanal kein Entlastungsgerinne, heißt aus dem Büro der Österreichischen Wasserstrassengesellschaft Via Donau. In Hochwassersituationen werde immer die Schleuse bei Nußdorf geschlossen und somit die Verbindung zur Donau getrennt. "Wir sind in Wien in der glücklichen Lage, dass wir mit der Donauinsel und der Neuen Donau ein Entlastungsgerinne haben", so eine Sprecherin. Und dieses Entlastungsgerinne reiche vollständig aus.

Warum der Wasserstand des Donaukanals derzeit aber trotzdem so hoch ist, erklärt sich aus dem Rückstaubereich der Donau unterhalb der Freudenau. Das stauende Donauwasser schiebt sich von dort aus in das Flussbett des Donaukanals. Dass der Donaukanal flächendeckend über die Ufer treten könnte, sei laut Via Donau aber eher unwahrscheinlich, weil es eine sehr lange Fläche gibt, wo zurückgestaut werden könne.

Bereich der Franzensbrücke als Erstes überschwemmt

Zu ersten Überschwemmungen kann es bei einem Pegelstand bei der Schwedenbrücke von 5,6 Metern kommen. Der Bereich der Franzensbrücke wäre als Erstes betroffen. Wie hoch der Wasserstand der Donau sein müsste, damit der Donaukanal übergeht, kann man aber nicht sagen, so die Sprecherin von Via Donau.

Durch den mittlerweile sinkenden Pegel des Donaukanals sollte es mit dem Wasser von unten jedenfalls keine Probleme geben, ist sich Martin Staudinger sicher. "Derzeit ist auf den Veranstaltungsorten alles trocken". Und für das in Form von Gewittern kommende Wasser von oben sei bereits vorgesorgt: Etwa 2000 Regenponchos stehen für die Besucher zur Verfügung. Denn Regengüsse seien für den Veranstalter nichts Neues. "In den letzten Jahren hat es zwischendurch immer wieder einmal geregnet", erinnert er sich. Die Besucher seien aber durchaus wetterfest. Denn: "Wir haben es auch trotz Regens immer voll gehabt."

Mit Ausnahme der Strandbar Hermann, wo der durchnässte Sanduntergrund ein wenig unangenehm sei, hätte man mit Nässe auch aufgrund der asphaltierten Böden wenig Probleme. "Die Situation ist bei uns eine andere als etwa auf der Donauinsel, weil sich dort die Erde aufweicht. Bei uns ist es hingegen schneller trocken und dadurch grundsätzlich stabiler", sagt Staudinger.

Aber auch die Veranstalter des in zwei Wochen stattfindenden Donauinselfestes geben sich zuversichtlich. Man werde keinen Rindenmulch oder Ähnliches brauchen, um die Böden besuchertauglich zu machen, heißt es. Denn laut Meterologen ist die "Regenzeit" vorbei. Und die Spuren vom Hochwasser sollten bis dahin auch beseitigt sein, hofft man.