12.000 Armutsbetroffene werden täglich versorgt. - © Wiener Tafel
12.000 Armutsbetroffene werden täglich versorgt. - © Wiener Tafel

Wien. Die Wiener Tafel wurde im September 1999 von Martin Haiderer gegründet. Eine Handvoll Studierende und ein Startkapital von 360 Euro standen ihm damals zur Verfügung. Heute arbeiten mehr als 400 Ehrenamtliche in der NGO. Die Mitarbeiter sind zwischen 18 und 75 Jahre alt. Mit fünf Lieferfahrzeugen holen sie an sechs Tagen in der Woche Lebensmittel und Hygieneartikel von Unternehmen ab, um diese anschließend an 12.000 armutsbetroffene Menschen in 183 Sozialeinrichtungen zu verteilen. So retten die Mitarbeiter täglich bis zu drei Tonnen überschüssige, genusstaugliche Lebensmittel. Die Unternehmen würden sonst die Waren aus unterschiedlichen Gründen (siehe Interview mit Markus Hübl) wegschmeißen. Alkohol wird nicht ausgeliefert. Der Verein lebt ausschließlich von Spenden. Mit einem Euro können bis zu zehn Armutsbetroffene mit Lebensmitteln versorgt werden, sagt Hübl. Neun Mitarbeiter sind teilzeitangestellt. Martin Haiderer arbeitet nach wie vor ehrenamtlich. Sein Geld verdient er bei der Caritas.

Ein normaler Arbeitstag bei der Wiener Tafel beginnt für die Fahrer um 8.30 Uhr. Die Tour der Route ist bereits vorgegeben. Schließlich gibt es unterschiedliche Bedürfnisse in den Sozialeinrichtungen. "Wir müssen darauf achten, dass Nahrung dorthin gebracht wird, wo sie auch gebraucht wird", sagt Markus Hübl. Cerealien kommen etwa in Jugendheime. In Obdachlosenheimen wären diese schlecht aufgehoben. "Viele haben schlechte Zähne. Die meisten Obdachlosen wollen auch keine Cerealien."

Neben den Transporten bietet der Verein auch Kochkurse an. Aus Bananen und Äpfel mit braunen Stellen werden etwa Obst-Smoothies. "Viele Menschen können nicht kochen, auch weil sie nie die Möglichkeit hatten, das zu lernen", so Hübl. Einmal im Jahr gibt es die "Lange Tafel", bei der auf der Straße gekocht wird.