Vorbereitet für die kommenden Wahlen mit 17 Projekten. - © Palavra
Vorbereitet für die kommenden Wahlen mit 17 Projekten. - © Palavra

Wien. Der September steht ganz im Zeichen des Volkes. Alle fünf Jahre darf es von seinem mächtigsten Instrument Gebrauch machen: den Wahlen. Doch machen Wahlen allein schon eine Demokratie? Diese und andere Fragen stellt sich die diesjährige Wienwoche, eine Veranstaltungswoche. Von 12. bis 29. September wollen die Initiatoren Can Gülcü, Petja Dimitrova und Radostina Patulova unter dem Motto "demokrazija-ja-ja" in 17 Projekten die Spielregeln und Machtverhältnisse in der gegenwärtigen repräsentativen Demokratie hinterfragen.

Die Projekte wurden unter dem Motto "Weniger ist mehr" bereits Mitte März von einem Beirat, bestehend aus Experten verschiedener Fachgebiete, ausgewählt. Patulova beschreibt die diesjährigen Projekte als breiten Mix aus künstlerischen, aktivistischen und diskursiven Beiträgen. So werden in der "Blackbox Demokratie?!" aktuelle Abschiebungsszenarien in Österreich dokumentiert. Abschiebung ist auch das Thema im Dokumentarfilm "Da. Sein." "Wir alle wissen, es gibt ein Leben nach der Abschiebung. Doch wir alle wissen herzlich wenig darüber. Genau hier setzt der Film an", sagt Patulova bei der Präsentation des Trailers.

Von Mülltauchern und Menschenfressern


Auch im Projekt "WahlweXel jetzt!" werden alle jene in den Mittelpunkt gerückt, deren Stimme bei den heimischen Wahlen in der Regel nichts zählen. Rund eine Million Menschen sind trotz jahrelangem Wohnsitz in Österreich vom Wahlrecht ausgeschlossen - weil sie keine österreichischen Staatsbürger sind. Dem möchte dieses Projekt nun entgegnen. "WahlweXel jetzt!" initiiert am 25. September ein Event im WUK, bei dem Wahlberechtigte im Auftrag von Nichtwahlberechtigten per Briefwahlkarte ihre Stimme abgeben können.

Mit mehr Humor geht es am Karlsplatz weiter. Im "Rebelodrom" stampft der "Verein zur Förderung der Bewegungsfreiheit" ein Aktionslabor aus dem Boden, in dem "Die Perverse Trachten Partei", "die Menschen fressende Gesellschaft" und die "Mindji Panther", eine Ninja-Spezialeinheit der "Roma Armee Fraktion", zur Wahl aufrufen.

Doch auch für kulinarische Highlights ist in der Wienwoche gesorgt. Bei dem Projekt "wastecooking‘’s free supermarket" öffnet vom 20. bis zum 22. September ein Supermarkt der besonderen Art seine Pforten. Bei den Produkten handelt es sich um weggeworfene Lebensmittel, die kostenlos an die Kunden weitergegeben werden. Im Vorfeld der Eröffnung gibt es eine "Mülltauchaktion" (Waste-Diving-Tour) bei denen das Publikum am 19. September Essbares aus Müllcontainern fischen soll. Die so gewonnen Zutaten werden am 21. September in einer Kochshow zubereitet, die fertigen Gerichte können dann - ebenso gratis - am darauf folgenden Sonntag beim "Waste Brunch" gegessen werden. "Die zum Kochen verwendeten sowie die im Supermarkt angebotenen Lebensmittel sind natürlich nicht verdorben", sagt Martin Lengauer, Pressesprecher der Wienwochen. Mit der Aktion soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Hälfte aller Lebensmittel im Müll landet - obwohl vieles essbar ist.

Alle Veranstaltungen der Wienwoche sind für die Besucher kostenlos. Den Auftakt zur Wienwoche macht am 12. September die "Opening Party" auf dem Badeschiff. Pünktlich zu den Nationalratswahlen endet die Wienwoche am 28. September mit einer "Closing Party". "Sehen wir das so: Wir alle befinden uns im Rausch", kommentiert Dimitrova den etwaigen Alkoholkonsum am Vorabend der Wahl, der sich noch in der Wahlkabine manifestieren könnte.