Wien. Diese Männer könnten auch als Biergartenkellner durchgehen: breite Schultern in weißen Hemden und flatternde Anzughosen mit schwarzen Gürteln. Statt im Grünen zwischen Holztischen lavieren diese Kerle durch Menschenmengen im Schatten einer mehrspurigen Autobahnbrücke. Und anstelle von Glaskrügen und Tabletts stemmen sie Reisetaschen und Plastikkoffer. Es sind Busfahrer, die Gepäck in die Bäuche ihrer Fahrzeuge hieven. Männer, die allein vergangenes Jahr mehr als 1,5 Millionen Passagiere durch das wohl unbekannteste Tor dieser Stadt karrten - den Busbahnhof in Wien Erdberg. In vielen europäischen Städten ist der Busbahnhof ein bedeutendes Verkehrszentrum, hier in Wien jedoch spielt er im Bewusstsein weiter Teile der Stadtbevölkerung kaum eine Rolle, ebenso in jenem der Stadtverwaltung.

Er liegt in Wien-Landstraße, unweit der U3-Station Erdberg. Ein Schild weist den Weg zum Vienna International Busterminal, wie er offiziell heißt. Doch internationales Flair kommt hier nicht auf: Ein schmales Containergebäude mit Fenstern, ein Parkhaus und eine Snackbar, auf der "Barney’s Busstop" geschrieben steht, begrenzen den Autobusbahnhof. Er breitet sich auf einer Fläche von rund 8500 Quadratmeter aus, vor allem unter den Fahrbahnen der Südosttangente.

So versteckt, wie der Busbahnhof liegt, würde kaum jemand meinen, dass hier jährlich 22.000 Autobusse durchkommen und hier 46 internationale Direktverbindungen zu anderen europäischen Destinationen zusammenkommen - von Paris über Berlin, von Belgrad bis Sarajevo.

Dieser Ort ist der Underdog unter den Verkehrszentren der Stadt und ja, dadurch wirkt er auf eine gewisse Weise interessant und unentdeckt - in einer Stadt, in der sehr vieles sehr gut durchgeplant ist, hat das Improvisierte am Busbahnhof also durchaus etwas Charmantes.

Kein Interesse für Aufwertung bei Stadt Wien

Gleichzeitig jedoch drängt sich hier die Frage auf, warum dieser unübersichtliche Ort nicht aufgewertet oder der Busbahnhof nicht gleich an einem attraktiveren Standort verlegt wird. Obwohl der Bahnhof - genauso wie etwa alle anderen Bahnhöfe und der Flughafen - auch eine Visitenkarte der Stadt ist, kümmert sich die Gemeinde Wien sehr stiefmütterlich um ihn - nämlich gar nicht.

Der Vienna International Busterminal ist ein reines Privatunternehmen, das von der Firma Blaguss geführt wird. Stärkeres, vor allem finanzielles Engagement seitens der Stadt wäre durchaus erwünscht, betont Geschäftsführer Thomas Blaguss. "Denn wir sind zwar ein privates Unternehmen, erfüllen aber auch einen öffentlichen Zweck", sagt er. "Diese Last können wir nicht alleine tragen." Dennoch gäbe es keinerlei Unterstützung durch die Gemeinde, sagt Blaguss. Pläne der Stadt den Autobusbahnhof aufzuwerten, seien ihm keine bekannt. Ebenso wenig beispielsweise den Busbahnhof mit dem neuen großen Hauptbahnhof zu verknüpfen. Aus dem Büro der Vizebürgermeister und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) konnte zur Frage des Busbahnhofes jedenfalls niemand erreicht werden.