Wien. Pärchen flanieren Händchen haltend auf den Wegen, Jogger plagen sich schwitzend durch das hügelige Gelände und eine Gruppe Jugendlicher schlendert plaudernd zwischen den alten Bäumen. Auf der Wiese wälzt sich genüsslich ein Hund "ja, so ein Braver ist er!", ruft sein Frauchen und klatscht sich auf die Oberschenkel. Ein Stück weiter toben Kinder auf dem Klettergerüst eines Spielplatzes. Daneben liefert sich eine Gruppe von Freunden ein Match am Beachvolleyballplatz und eine Mutter wirft mit ihrem Sohn Körbe. Zwei Männer sitzen rauchend im Gras und ein Mann schiebt ein quengelndes Baby im Kinderwagen vorbei.

Zwischen den großen Bäumen des Türkenschanzparks macht sich die Stadt nur durch immer wieder aufheulende Sirenen und das Rauschen der Autos bemerkbar. Die meisten Bäume tragen Schildchen mit ihren Namen. "Europäische Lärche", "Krimlinde" oder "Spitzahorn" ist darauf zu lesen. Ihre ausladenden Äste nutzt eine Gruppe von Burschen als Klettermöglichkeit. Viele der Bäume sind so alt wie der Park selbst. Der Türkenschanzpark wurde am 30. September 1888 von Kaiser Franz Joseph I. an die Wiener Bevölkerung übergeben. Ein Schild mit goldener Inschrift auf der Paulinenwarte mitten im Park erinnert an dieses Ereignis. Heuer feiern die Wiener das 125-jährige Bestehen der Anlage.

Ausstellung im Bezirksmuseum Währing

Das Bezirksmuseum Währing widmet dem Erholungsgebiet eine Ausstellung mit dem Titel "125 Jahre Türkenschanzpark", in der die Geschichte des Parks erklärt wird. Eine Wasserpfeife soll an die Zeit der beiden Türkenbelagerungen erinnern. Während der zweiten Belagerung im Jahr 1683 diente eine Anhöhe (Schanze) am heutigen Areal der Anlage den osmanischen Truppen als Gefechtsstand. So soll der Türkenschanzpark zu seinem Namen gekommen sein.

Im 19. Jahrhundert diente das Areal des Türkenschanzparkes als Sandabbaustätte für Bauprojekte wie der Wiener Ringstraße. "Diese Sandabbaustätte war eine wichtige Baugrundlage für die Stadterweiterung", erklärt Gartenhistoriker Christian Hlavac. Von der Sandgrube sind Fotos erhalten, die in der Ausstellung "125 Jahre Türkenschanzpark" zu sehen sind. "Weil Fotografien damals sehr teuer waren, sind von der östlichen Hälfte der Anlage keine Abbildungen erhalten. Dieser Teil war bei Botanikern im positiven Sinn als ,Gstettn‘ bekannt", sagt Hlavac. Dort wuchsen nämlich seltene trockenheitsliebende Pflanzen. "Damals wurde das Areal auch militärisch genutzt. Im Museum können die Besucher auf alten Fotografien Pulvertürme sehen, in denen zum Beispiel Munition aufbewahrt wurde", erzählt Museumsleiterin Doris Weis.