Wien. Laut einer Studie ist das heidnische Halloween-Fest bei 40 Prozent der Wiener Bevölkerung bereits Tradition. Wie geht die Kirche damit um? Dompfarrer Toni Faber sieht wenig Grund zur Beunruhigung.

"Wiener Zeitung": Herr Pfarrer, was sagen Sie dazu, dass heute
die meisten Kinder in Wien den 1. November nur noch mit Halloween in Verbindung bringen?

Toni Faber: Halloween ist aus Amerika importiert worden, hat aber tatsächlich eine religiöse Wurzel, die allerdings pervertiert wird durch das Gruselige. Da können wir als katholische Kirche schon ein Gegenprogramm bieten, es wird aber nicht mehr so gut angenommen. Die strahlende Kraft des Festes Allerheiligen nehmen uns die Menschen nicht mehr so gut ab.

Was ist das Gegenprogramm?

Na, dass wir im Zuge des Sieges der Heiligen selber eine Chance haben, nicht nur gruselig blutverschmiert kafkaesk herumzurennen, sondern einfach ein Licht anzünden für unsere Verstorbenen.

Haben Sie schon versucht, etwas dagegen zu unternehmen?

Ich habe vor zehn Jahren noch versucht, dagegen anzukämpfen. Es gab eine Gegenaktion, mit der die zahlreichen Menschen, die am 1. November durch die Innenstadt streifen, dazu eingeladen wurden, bei einem Kiosk ihre Namenspatrone ausheben zu lassen. Es gab einen speziellen Gottesdienst zu Halloween - mit missionarischen Aktionen und Verkleidungen als Heiligenfiguren wie Elisabeth von Thüringen und der Heilige Nikolaus. Das ist aber leider wieder eingeschlafen, weil es nicht so gut angenommen worden ist.

Jetzt nehmen Sie es hin?

Halloween ist über uns hereingebrochen und ich freue mich auf die Tage nach Allerheiligen und Allerseelen, wenn dieser Spuk vorüber ist. Aber wir brauchen nicht dagegen anzukämpfen, sondern werden in unseren katholischen Biotopen die Heiligen hoch leben lassen, damit wir für uns selber und unsere Verstorbenen das Ziel nicht verfehlen.

Sind Ihnen durch Halloween einige "Schäfchen" abhanden gekommen?

Nein, sicher nicht. Es freuen sich vielmehr die rund 1000 Lokale in der Innenstadt über diese verrückte Tradition. Die Leute haben Spaß. Sie schlagen sich nicht so die Schädel ein, wie es manche Kostüme glauben lassen. Ich nehme den Brauch belustigt in seiner Unbedeutendheit hin, weil ich nicht glaube, dass sich ein vernünftiger Mensch nach so einem Karnevalsumzug viel dabei denkt. Das ist eine verrückte G’schicht, die auch wieder vergeht.

Könnte es psychologisch gesehen nicht auch eine Art von Verdrängung sein, eben nicht an die Toten gedenken zu müssen?

Sicher. Das ist eine Fehlleitung dessen, woran sie angesichts der Tage eigentlich gedenken sollten: Nämlich an die eigene Sterblichkeit sowie unsere Chance, etwas besser zu machen, bevor unser eigenes Licht ausgeht. Nur das nehme ich mit einem Achselzucken und einer belustigten Leichtigkeit hin. Ich denke, diejenigen, die in diesen Tagen vor dem Tod der Angehörigen und Verwandten stehen, werden so einen Blödsinn nicht mitmachen. Die werden schauen, wo sie ein Licht anzünden und einen Platz suchen, wo sie hoffen können.