Wien. "Kann ich Ihnen die fehlenden 20 Cent auch morgen geben?", wird Adolfina Lörincz von einer ihrer Kundinnen gefragt. "Ja, natürlich", antwortet sie und lächelt. Lörincz steht an einem verregneten Tag mit ihrem mobilen Süßwarenstand vor dem zweiten Tor des Wiener Zentralfriedhofs. Seit 25. Oktober ist sie hier. Drei Tage vor Allerheiligen ist viel los, ständig fahren Autos an den Portieren vorbei zu den Gräbern. Das Herbstgeschäft rund um den großen Feiertag hat begonnen, Lörincz verkauft Süßwaren an die Friedhofsbesucher. Bei der Frage, ob Sie zum ersten Mal mit ihrem Stand zu Allerheiligen hier ist, kann sie sich ein Lachen nicht verkneifen. Seit 30 Jahren kommt sie jedes Jahr.

Geschäft schwächelt

Das Geschäft werde aber immer schwächer: "Die Leute kaufen die Blumen schon alle in den Supermärkten und kaufen hier nichts mehr. Die jungen Leute gehen leider Gottes gar nicht mehr auf den Friedhof. Man sieht wirklich nur die Älteren, außer es ist gerade einmal ein Begräbnis. Aber es wird schwächer, sehr schwach", sagt sie. Sonst ist sie mit ihrem mobilen Süßwarenstand auf Veranstaltungen wie Kirtagen unterwegs, wo es mehr konsumfreudige Kunden gibt. "Da ist sehr viel Jugend, das sind die Zahlungskräftigen", meint Lörincz.

Auch Andreas Haumer steht an diesem Tag vor dem zweiten Tor. Er verkauft Blumen für das Blumengeschäft Frühwirth aus Schwechat. Sein Hauptberuf ist das nicht. Er habe sich extra Urlaub genommen, um an Allerheiligen seiner Familie im Verkauf zu helfen. Auch ihm entgeht die wachsende Konkurrenz nicht: "Ich bin nicht das ganze Jahr hier und sehe nicht, wer zum Friedhof kommt und wer nicht. Ich weiß nur, dass es mehr Angebote gibt. Es gibt Supermärkte, die bieten die Sachen an. Es gibt andere Märkte, die bieten Allerheiligengestecke an. Ich glaube schon, dass genau das das Übel ist", sagt Haumer. Das Allerheiligen-Geschäft mache für ein Blumengeschäft aber immer noch den Großteil des Jahreseinkommens aus.

Wetterabhängig

Im Gegensatz zu Lörincz und Haumer ist Karl Ademik das ganze Jahr über hier. Er betreibt den Würstlstand beim zweiten Tor, zu Allerheiligen hat er Konkurrenz von zwei anderen Ständen, die direkt am Eingang stehen. Das Geschäft stagniert, sagt er: "Letztes Jahr war der eine nicht da, da haben wir ein bisschen mehr gehabt. Es hält sich zwischen uns dreien eigentlich die Waage", erklärt Ademik. Dass es sich für die anderen Verkaufsstände auszahlt, hierher zu kommen, glaubt er schon: "Auf jeden Fall, weil sie ja jedes Jahr hier sind. Wenn die kein Geschäft machen würden, dann würden sie nicht kommen."