Brigitte Hammerl, Betriebsleiterin der Gärtnerei des Zentralfriedhofs, zieht ebenfalls Bilanz: "Natürlich geht es immer von Jahr zu Jahr zurück, aber im Vergleich zum Vorjahr ist es ein bisschen besser, weil das Wetter auch schön war. Sobald das Wetter nicht mitspielt, kommen auch weniger Leute", sagt Hammerl. Seit 35 Jahren arbeitet sie auf dem Zentralfriedhof und hat dabei einen Wandel mitbekommen: "Es gibt nicht mehr so die Tradition, zu Allerheiligen auf den Friedhof zu gehen, das lässt natürlich nach. Früher hat man oft gar keinen Platz zum Gehen gehabt, jetzt lockert es immer mehr auf", erzählt Hammerl.

Nicht nur Trauerstätte

Dabei versucht auch der Wiener Zentralfriedhof mit der Zeit zu gehen und verschiedene Zielgruppen anzusprechen: "Wir haben 2009 als letztes großes Projekt den Waldfriedhof ins Leben gerufen, wo wir eine Naturbestattung ohne Pflegebedarf anbieten. Das spricht eine gewisse Kundenklientel an. Wir haben dort zwischen 70 und 80 Beerdigungen im Jahr. Es greift, aber für die 14.000 Beerdigungen, die wir insgesamt auf den Wiener Friedhöfen haben, ist das ein kleiner Teil", erklärt Andreas Kals, Verwalter des Wiener Zentralfriedhofs. Besonders Menschen, die keine Angehörigen mehr haben, würden dieses Angebot nutzen. In Zukunft will er versuchen, den Gang zum Friedhof wieder attraktiver zu gestalten: "Wir haben zum Beispiel heuer im Juni ein Friedhofskonzert gehabt, bei dem wir 1400 Gäste bei uns auf dem Wiener Zentralfriedhof gehabt haben. Um auch den Friedhof einmal ein bisschen anders zu sehen, denn unsere Friedhöfe sind mehr als nur eine Begräbnisstätte. Ich glaube, dass das künftig ein Weg sein kann, den Friedhof wieder attraktiver zu machen", meint Kals. Er will, dass die Menschen den Friedhof nicht nur zu negativen Anlässen besuchen, sondern auch wenn sie Ruhe suchen. Das ist im Park der Ruhe und Kraft möglich, wo die Besucher Kraft tanken und meditieren können. "Ab nächstem Jahr soll es auch geführte Gruppen durch diesen Park geben", so Kals.

Mehr Markthändler als 2011

Doch auch wenn die Händler klagen und der Gang zum Friedhof nicht mehr so modern scheint, wurden auch heuer wieder genug Quadratmeter an Marktplätzen vor den Toren des Zentralfriedhofs vergeben. Laut Alexander Hengl von der MA 59 sind es 148 Stände, 134 bieten Blumen an, fünf Lebensmittel, fünf sind Gastronomiebetriebe und vier davon verkaufen Zubehör wie zum Beispiel Erde oder Kerzen. Vor zwei Jahren waren es 141, die Zahl der Stände ist also nicht zurückgegangen. Im Gegenteil: Das Angebot wird weiterhin gut angenommen. "Vor zwei Jahren waren außerdem Baustellen auf dem Zentralfriedhof, das darf man auch nicht vergessen", ergänzt Hengl. Hat man einmal einen Marktplatz vor dem Zentralfriedhof gehabt, ist man im Folgejahr vorgemerkt und kann den Platz wieder nutzen, wenn man sich rechtzeitig meldet. Vor der Konkurrenz schützt aber auch das nicht.