Noch Zukunftsmusik: 2016 könnten alle Fortbewegungsvarianten in einer App zusammengefasst sein - österreichweit. - © Wr. Stadtwerke
Noch Zukunftsmusik: 2016 könnten alle Fortbewegungsvarianten in einer App zusammengefasst sein - österreichweit. - © Wr. Stadtwerke

Wien. (rös) Mit drei Neuigkeiten sind am Mittwoch Vizebürgermeisterin Renate Brauner und die Wiener Stadtwerke an die Öffentlichkeit herangetreten: Die Jahreskarte für die Wiener Linien wird ab 2015 in Scheckkarten-Form ausgegeben. Zum einen, weil das mehr Fälschungssicherheit bringen soll, zum anderen, "weil man natürlich auch moderner aussehen will", erklärte Wiener Linien-Geschäftsführerin Alexandra Reinagl.

Weiters soll ab 2015 auch eine "Mobilitätskarte" angeboten werden: Bei einem Aufpreis von 12 Euro bekommt man dann (um 377 Euro) eine Jahreskarte, mit der man sich dann auch City-Bikes ausborgen, bei den Stromtankstellen der Wienenergie tanken oder preisreduziert in Wipark-Garagen parken kann. Auch mit dem Betreiber von Car2Go und anderen Leihwagenfirmen sei man bereits in "Rabbattverhandlungen", meinte die Vorstandsdirektorin der Wiener Stadtwerke, Gabriele Domschitz. Abgerechnet wird dann alles über die "Mobilitätskarte".

Und die dritte Neuigkeit ist eine App namens "Smile", die österreichweit alle Fortbewegungsvarianten miteinander verknüpfen soll: Per Handy oder Tablet erfährt man, wie man am schnellsten, günstigsten oder umweltfreundlichsten von A nach B kommt. Und es soll dem Nutzer auch gleich der Kauf aller nötigen Tickets möglich sein, Echtzeitinfos bei Störungen sind ebenfalls vorgesehen. Derzeit wird noch geforscht; 2015 ist ein erster Probelauf mit 5000 Personen geplant, danach will man die schrittweise Umsetzung angehen. Ziel sei eine österreichweite Nutzung, mit den ÖBB, der Holding Graz und der Linz AG führe man bereits Kooperationsgespräche. Insgesamt sind dafür sieben Millionen Euro budgetiert, wovon sich 4 Millionen Euro Stadt Wien und Stadtwerke teilen. Die restlichen 3 Millionen kommen aus dem Klima- und Energiefonds des Bundes.

Kosten 1,8 Millionen Euro


Das wichtigste Projekt sei aber vorerst die Mobilitätskarte - die sich die Wiener Stadtwerke immerhin 1,8 Millionen Euro kosten lässt, erklärte Brauner. Sie will mit diesem Angebot die Öffis noch mehr ins Bewusstsein der Wiener rücken und damit einem europaweiten Trend folgen. Laut einer Umfrage (Eurobarometer Juni 2013 Anm.) würden sich nämlich 56 Prozent der Stadtbewohner in ganz Europa wünschen, dass die Zahl Autos im urbanen Bereich reduziert wird. Das treffe auch auf Wien zu, meinte Brauner: Waren 1993 noch 40 Prozent mit dem Auto und 29 Prozent mit den Öffis unterwegs, so würden heute nur noch 27 Prozent der Wege mit dem Auto zurückgelegt werden, 39 Prozent mit den Öffis.

Um diesen Trend aufrechtzuerhalten, will man deshalb möglichst viele Verkehrsmittel miteinander verknüpfen. Die Vizebürgermeisterin illustrierte es an einem Beispiel: Mit dem Elektroauto fährt man von zu Hause in die Garage, dort wird es an die Ladestation angehängt. Weiter geht es mit der U-Bahn, um dann mit dem Citybike ans Ziel zu gelangen - alles mit einer Karte, der Mobilitätskarte.

In den nächsten Jahren sollen dann auch weitere Angebote, wie etwa Carsharing, andere Garagenbetreiber oder etwa Taxidienste dazukommen. Derzeit würden noch Verhandlungen laufen, weil man für die Kartenbenutzer möglichst hohe Preisvorteile herausschlagen wolle. Dauerparker der Wipark-Garagen ersparen sich mit der Mobilitätskarte immerhin 14 Prozent - was laut der Vizebürgermeisterin vor allem für Pendler attraktiv sei. In Sachen Fahrrad kooperiert man wiederum mit den von der Gewista betriebenen Citybikes. Hier entfällt die einmalige Anmeldegebühr von einem Euro, ansonsten müssen die üblichen Tarife bezahlt werden. Zuversichtlich sei man auch hinsichtlich Car2Go, weil dieser Anbieter von sich aus auf die Stadtwerke zugegangen sei. Vorstandsdirektorin Domschitz rechnet auf jeden Fall mit etwa 35.000 Mobilitätskartennutzer innerhalb der ersten zwei Jahre.

Wer die Zusatzfunktionen nicht braucht, kann natürlich bei der herkömmlichen Jahreskarte bleiben. Mit der Umstellung auf das Scheckkartenformat fällt dann ab 2015 das jährliche Wertmarken-Kleben weg. Stattdessen werden die Karten jedes Jahr erneuert. Was den Preis anbelangt, versicherte Brauner, dass die Formatänderung "keinerlei Veranlassung" für eine Preiserhöhung sei. Auf einen genauen Zeitraum, wie lang der 365-Euro-Tarif noch zu halten sei, wollte sie sich aber nicht einlassen - nur so viel: "Wir setzen alles daran, so lange wie möglich dabei zu bleiben."