Wien. Originell soll es bitte sein. Und persönlich. Doch wenn es um Souvenirs aus der Heimatstadt geht, halten es viele mit Kaiser Robert Heinrich I: Schneekugeln sind immer gut. Schneekugel mit Stephansdom. Schneekugel mit Riesenrad. Schneekugel mit Gugelhupf - wenn es besonders kreativ sein soll. Seit wenigen Tagen kann man sich dem Schneekugel-Diktat des fiktiven Monarchen aus der ORF-Show "Wir sind Kaiser" beugen.

Die Studenten der Universität für Angewandte Kunst zeigen wie. In dem Projekt "Wien-Souvenirs - Neu interpretiert" präsentieren die jungen Männer und Frauen in Kooperation mit der Wiener Wirtschaftskammer, dass man sich auch anders an Wien erinnern kann, als an Schnee rieselnde Glaskugeln. Es darf auch einmal ein Schachspiel mit Wiener Originalen sein, inklusive Sisi und dem liebenswerten Alkoholiker vom Stammbeisl, wie das Projekt "Wiener Schach" der gebürtigen Taiwanesin Yu Fang. Oder ein paar Wiener Rebläuse aus Porzellan als Flaschenverschluss von der Deutschen Lisa Tritthart. Oder eine vergoldete Kette mit dem Schriftzug "Strizi" wie der Entwurf der Korneuburgerin Marie Steinacher, die auch für Kaiser Robert etwas Passendes entworfen hat. In ihrer Schneekugel "Panier’s Dir", rieselt aber kein Schnee, dafür Blattgoldspäne. Mit nur einem Schütteln wird ein kleines Plastikschnitzel paniert - und "ent-paniert". Auch Karl Sokol wollte das Wiener Schnitzel für Touristen verewigen. Und zwar als Schlüsselanhänger. Neben dem Wiener Schnitzel gibt es auch eine Sachertorte und ein paar Frankfurter als Erinnerung.

Seine Kollegen der Meisterklasse für Industrial Design ließen sich mehr von Wiens einzig wirklicher Kultur, wie manche meinen, inspirieren: dem Kaffeehaus. Dem stundenlangen Sitzen. Dem Rauchen. Den grantigen Obern. So haben die Studenten Pia Plankensteiner und Sebastian Scholz gleich ein kleines Kaffeehaus zum Mitnehmen kreiert. Ihr "Wiener Trio" besteht aus einem Kaffeeset aus Häferl, Wasserglas und kleinem Aschenbecher. Zusammengehalten wird das Ganze von einer Fliege - eine Hommage an den Ober. Auch Emanuel Gollob und David Tavcar zollen Wiens Kaffeehauskultur ihren Tribut in Form des "Wiener Cafe Stool", einem Hocker, dessen Sitzfläche hergestellt ist aus Kaffeesud, Zucker und Wasser.

Ein Penisring
in Form der Ringstraße


David Tavcar hat sich in seiner Arbeit noch einer ganz anderen Facette der Stadt gewidmet: der Erotik. So hat er für Omas Souvenirgalerie einen Porzellan-Penis mit dem markanten Prinz-Eugen-Muster der Augarten Manufaktur kreiert, für Opa eine Kondomschachtel mit dem Motiv eines Reiters der Spanischen Hofreit-schule. Und für die weniger standhaften Besucher ließ er sich einen silbernen Penisring in Form der Ringstraße einfallen.

Seit Dienstag können alle Entwürfe der neuen Souvenirs im Wien Museum am Karlsplatz begutachtet werden. Zusätzlich erscheint ein Buch mit allen Stücken im Metroverlag.