Eine Insel in Bewegung - so sieht das Festival Soho in Ottakring den Sandleitenhof. - © Katsey
Eine Insel in Bewegung - so sieht das Festival Soho in Ottakring den Sandleitenhof. - © Katsey

Wien. Ruhig und beschaulich liegt der Sandleitenhof in der Frühlingssonne. Langsam schlendert ein älterer Herr mit seinem Hund über den zentral in der Anlage gelegenen Mateotti-Platz. Die Fenster der Wohnungen rundherum sind verschlossen, die Auslagen eines der Geschäftslokale in der Erdgeschoßzone mit Zeitungspapier verklebt. Dass hier in rund 1600 Wohnungen etwa 5000 Menschen leben, merkt man nicht, das echte Leben wie auch die Arbeit spielt sich anscheinend anderswo ab.

"Es ist eine Gegend, wo alles ein bisschen zu gähnen scheint", sagt auch Ula Schneider, Organisatorin des Festivals Soho in Ottakring, bei der Präsentation des Festivalprogramms für dieses Jahr. Nach 14 Jahren am Brunnenmarkt übersiedelt das Festival nun in den Nordwesten des Bezirks. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen wollten Schneider und ihr Team in einem neuen Grätzel Impulse setzen - und sind auf den geschichtsträchtigen, großen und etwas verschlafenen Sandleitenhof gestoßen. Mit 21 Projekten will das Festival vom 17 bis 31. Mai den größten Gemeindebau der Stadt wachküssen und ihm etwas urbanes Leben einhauchen.

Leben, das es früher sehr wohl gab, erzählt Architekt Kurt Smetana. Er kennt den Sandleitenhof sehr gut, weiß, dass es hier neben den Wohnungen auch noch 75 Geschäfte und 58 Werkstätten gab, eine Apotheke, ein Postamt, ja sogar ein Kinosaal für 500 bis 600 Personen wurde hier einmal betrieben. "Der Sandleitenhof ist eine Stadt in der Stadt", sagt Smetana, der auch die Gebietsbetreuung für den 16. Bezirk leitet. Er findet es toll, dass mit dem Festival nun eine andere Form der Mischnutzung in diesen Bau einziehen wird, in dem so viele moderne Gedanken stecken.

"Hier in der Gegend waren viele Fabriken, die die Menschen früher in fünf bis zehn Gehminuten erreichten." Neben der Stadt der kurzen Wege, die auf der Sandleiten also schon in den 1920er Jahren Realität war, wurde der Hof auch als erste ökologische Baustelle geschaffen, mit einem eigenen Gleis, das extra gebaut wurde, um die Anlage zu errichten, schwärmt Smetana. 1924 wurde mit dem Bau des Hofs begonnen, 1934 wurde er beschossen - so ist das Jahr 2014 für die Anlage historisch interessant.

Handwerk und Geschichte als Schwerpunkte


Geschichte ist daher auch ein Fokus des Festivals. Der andere Schwerpunkt liegt auf Handwerk, dem "Pendant zu Virtualisierung und Schnelllebigkeit", wie es Organisatorin Schneider formuliert.