Wien. Durch den Balkankrieg in den 1990er Jahren wurde dem Verkehrsweg für Transportgüter auf der Donau schlagartig ein Ende bereitet. Die Unternehmen verlagerten ihre Güter stattdessen auf die Straße. 20 Jahre sind seitdem vergangen. Auch wenn der Trend wieder in Richtung Wasser geht, zu seiner alten Bedeutung hat der Verkehrsweg - außer in Ausnahmen - noch nicht zurückgefunden.

Einer dieser Ausnahmen ist der Schwergutbereich, wo seit Jahren die Zahlen wieder ansteigen. Beim Hafen Wien reagiert man auf diesen Trend, wie man am derzeitigen Bau des 1,5 Millionen Euro teuren Schwergutzentrums am Alberner Hafen erkennen kann. Man hofft auf ein gutes Geschäft. Gleichzeitig gibt es aber noch Probleme, die dem Hafen Wien einen Strich durch die Rechnung machen könnten.

Richtung Deutschland würde der Schwerguttransport bereits gut funktionieren, sagt Fritz Lehr, Geschäftsführer von Hafen Wien. So werden etwa Windkraftteile, die in Österreich produziert wurden, über den Hafen Wien nach Deutschland verschifft. In die andere Richtung gibt es laut Lehr allerdings noch dringenden Aufholbedarf. Ein reibungsloser Ablauf des Schwerguttransports könne derzeit nicht garantiert werden. Vor allem Ungarn steht hier in der Kritik.

Bemängelt wird die für Schwergut fehlende Mindestabladetiefe von 2,5 Metern. "In Ungarn ist man da sehr nachlässig", kritisiert der Hafen Wien-Chef. Dabei habe sich die ungarische Seite in einer Deklaration dazu verpflichtet, die nötige Mindestabladetiefe zu gewährleisten.

Keine Zuverlässigkeit auf der Donau


Lehr fordert daher, dass diese "unmittelbaren Verpflichtungen" eingehalten werden. Viele Schiffe würden derzeit nicht durchkommen beziehungsweise müssten einen Teil ihrer Fracht abladen, um weiterfahren zu können. Mit der derzeitigen Situation könne es keine Zuverlässigkeit für Unternehmen auf der Donau geben, sagt Lehr. Diese sei aber nötig, um im Wettbewerb mit der Straße eine Chance zu haben.

Schließlich seien Unternehmen, vor allem jene, die vor dem Balkankrieg Güter auf der Donau hatten, vorsichtiger geworden. Die Straße habe sich zudem bewährt. "Und wenn sich in der Logistikbranche etwas bewährt, dann bleibt sie auch meistens dabei", fügt Lehr hinzu.

Für den Transport von Schwergut würden sich die Bedingungen auf der Straße allerdings verschlechtern. Der Grund dafür liegt in der zunehmenden Anzahl von Fahr- und Gewichtsbeschränkungen, vor allem in der Nähe von Wohnorten, die das Straßennetz für Schwertransport erheblich reduziert haben.