- © G. Wilke / TU Wien
© G. Wilke / TU Wien

Es bringt soziale Schwierigkeiten, wenn man die Wohnungsfrage löst durch Tätigkeiten, die Gewinn bringen. Man sollte Wohnungen bereitstellen für diejenigen, die Wohnungen brauchen, und nicht für die Leute, die am meisten dafür zahlen können.

Die Psychologie des Eigentumswunsches ist wichtig und es hilft, etwas darüber zu wissen. Wir haben zum Beispiel folgende Erfahrung gemacht: Wenn man eine Wohnung kauft und eine Hoffnung auf Gewinn hat, würde es langfristig mehr Gewinn bringen, die Wohnung zu mieten und das Geld in Aktien anzulegen, als die Wohnung zu kaufen und dann zu hoffen, sie mit Gewinn zu verkaufen.

Ich habe keine große Liebe zum Aktienmarkt, aber es gibt andere Wege, um Gewinn zu machen, man muss nicht das eigene Haus als gewinnträchtig sehen.

Es gibt aber manchmal auch das Problem, dass Kommunen oder andere öffentliche Körperschaften schlechtere Verwalter des öffentlichen Eigentums sind; manchmal wird die Erhaltung der Infrastruktur vernachlässigt; und es gibt das Problem, dass die öffentlichen Körperschaften ja eigentlich nicht Behörde und Unternehmen (Hausverwaltung) zugleich sein sollten, weil die Behörde sich vielleicht gegen die Unternehmung nicht durchsetzen kann. Sehen Sie hier keinen Widerspruch?

Ich sehe das Problem, aber das Problem ist noch schwieriger auf dem privaten Markt. Im privaten Markt ist die Instandhaltung der Wohnung davon abhängig, ob der Vermieter oder der Verkäufer damit Gewinn machen kann – und wieviel. Wenn die Bewohner arm sind, dann ist die Instandhaltung schlecht; wenn die Bewohner reich sind, dann ist sie gut.

Wäre selbstverwaltetes Wohnen, zum Beispiel in Form von Genossenschaften eine Alternative auch zum öffentlichen Wohnungsbau?

Ja, aber nicht als Alternative, sondern in Form eines Zusammenwirkens. Wir suchen Wege, mit denen die Verwaltungen der sozialen Wohnungen von den Bewohnern demokratisch bestimmt werden. Das ist zum Teil möglich. Man braucht Mietervereine, die auch eine Rolle spielen in den Entscheidungen über Instandhaltung und Regeln. Genossenschaften sind ein guter Weg.

Ich arbeite augenblicklich an einer Möglichkeit, die auch viele interessante Rechtsfragen bringt: Das ist eine Eigentumsform, die eigentlich eine lange Geschichte in Europa und in der "Dritten Welt" hat: Das Eigentum an Boden ist gemeinsam, das Bauen auf diesem Boden aber individuell, privat erfolgt; es wird durch die Institution, einen Trust, man könnte es auch Genossenschaft nennen, geregelt.

Es ist ein kollektives Eigentum an Boden mit Regeln, was gebaut werden darf. Das ist so eine Zwischenlösung, die auch ein Gefühl von Eigentum geben kann; das Eigentum bringt größere Freiheit, was sehr wünschenswert ist. Aber es ist ausgeschlossen, dass Boden verkauft wird; es kann auch ausgeschlossen werden, dass jene die Wohnung bekommen, die am meisten dafür zahlen können.