Wien. Oliver Polak kommt gerne nach Wien. Hier sind die Menschen höflich. Sie verstehen ihn. Sie verstehen vor allem seinen Humor. "Du bist aber nicht das Mädchen, das im Keller eingesperrt war?", fragt er vergangenen Dienstag das TV-Sternchen Larissa Marolt in der ORF-Sendung "Willkommen Österreich." Sie habe so verstört gesprochen, deswegen seine Frage, begründet er. Alle lachen. Selbst Marolt. Keiner nimmt dem bärigen Deutschen den Kampusch-Verwechsler übel.

Witze machen ist sein Metier. Nur schaut man bei Oliver Polak ein bisschen genauer hin. Wartet auf die Provokation. Und auf das darauf folgende betretene Schweigen. Polak ist Stand-up-Comedian. Vor acht Jahren kam sein erstes Buch "Ich darf das, ich bin Jude" auf den Markt. Auf der Bühne hat er seine jüdische Identität jahrelang zum Thema gemacht. Er, dessen Vater das Konzentrationslager überlebt hat, begrüßte sein Publikum einst mit Sätzen wie: "Ich mache Ihnen einen Vorschlag: Ich vergesse für heute Abend die Sache mit dem Holocaust - und Sie verzeihen uns Michel Friedman." Oder: "Wenn Sie die Show nicht komisch finden, sind Sie deshalb kein Antisemit, sondern nur ein humorloses Arschloch." Deutschland war irritiert. Der Sohn eines Holocaustüberlebenden macht Witze vor jenen, deren Vorfahren verantwortlich sind für das Trauma seiner Familie. Sollen sie lachen? Dürfen sie das überhaupt?

"Ich habe vor falschem Publikum gespielt", sagt Polak im Gespräch mit der "Wiener Zeitung." Anfangs wurde er vorwiegend auf Kabarettbühnen gebucht, wo ihn ein konservatives Publikum jenseits der 50 empfing. "Die Leute haben darauf gewartet, dass Woody Allen mit einem Lachsbagel und einer Klarinette in der Hand aus meinem Bauch kommt und vielleicht noch Salcia Landmann-Texte rezitiert. Und dann komme ich auf die Bühne. Das war für diese Leute eine Form der Beleidigung", erzählt er.

Lange war der heute 38-Jährige eine Attraktion, das jüdische Zirkuspferd der Nation, das von Talkshow zu Talkshow gereicht wurde, wo er sich, seine Show "Jud Süß Sauer", Israel, den Holocaust und alles, was dazugehört, erklären sollte. Plötzlich war er der "Holocaustclown" und der "Showjude", wie er sagt, eine Rolle, für die er nicht bereit war.

Ein Publikum, das sich an Polak therapiert


Die Aufmerksamkeit hatte ihren Preis. Polak wurde schwer depressiv. So depressiv, dass er sich selbst in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen hat. In seinem aktuellen Buch "Der jüdische Patient" schreibt er über diese acht Wochen und über die Ereignisse, die zu dem Zusammenbruch geführt haben könnten.