Mit Mitte fünfzig finden viele Arbeitslose wie Harald Knill keinen Job mehr - der einzig mögliche Weg war jener in die Selbständigkeit. - © privat
Mit Mitte fünfzig finden viele Arbeitslose wie Harald Knill keinen Job mehr - der einzig mögliche Weg war jener in die Selbständigkeit. - © privat

Wien. Als Harald Knill im Jahr 2009 arbeitslos wurde, weil die Österreich-Niederlassung seines bisherigen Arbeitgebers aufgelassen wurde, "war das nicht so lustig", erinnert sich der Vorarlberger zurück. Als Mittfünfziger standen seine Chancen schlecht für eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt durch eine neue Anstellung. "Es blieb mir eigentlich nichts anderes übrig, als selbst etwas zu machen", so Knill zur "Wiener Zeitung". Beim Arbeitsmarktservice (AMS) wurde ihm damals gesagt, "sie kümmern sich eh um sich selbst". Und so war es dann auch - zumindest fast: Nachdem Knill alle Optionen einer Anstellung ausgelotet und schlussendlich ausgeschlossen hatte, bekam er die vage Idee, sich selbständig zu machen - als "Verlagsberater für alles", wie er es beschreibt.

Das AMS leistete hier Starthilfe, indem es Knill in sein Unternehmensgründungsprogramm, das Arbeitslose auf dem Weg in die Selbständigkeit unterstützen soll, aufnahm. Im Rahmen des Programms, das seit nunmehr zwölf Jahren vom AMS in ganz Österreich angeboten wird, wurden im Vorjahr rund 5100 neue Unternehmen gegründet, seit Einführung des Angebots im Jahr 1998 sind es insgesamt 65.000. "Das Unternehmensgründungsprogramm des AMS hat sich somit als wesentlicher Faktor in der österreichischen Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik etabliert", so Beate Sprenger, Pressesprecherin des AMS. Eine Geschäftsidee ist allerdings Voraussetzung.

Wider das Damoklesschwert der Geldnot


Um in das sechsmonatige Programm des AMS aufgenommen zu werden, muss vorerst ein Gespräch absolviert werden, in dem die Plausibilität der Geschäftsidee geklärt wird. Gibt es grünes Licht für die Teilnahme am Programm, besteht die Möglichkeit, Schulungen und Weiterbildungskurse zu besuchen; auch wird den angehenden Gründern ein Unternehmensberater zur Seite gestellt, mit dem die Geschäftsidee diskutiert und der Business-Plan erstellt wird.

Für Knill besteht die wichtigste Funktion des Unternehmensgründungsprogramms darin, Zeit zu gewähren. "Wenn man ein Damoklesschwert über sich schweben hat, denkt es sich nämlich nicht so gut." Während des Absolvierens des Unternehmensgründungsprogramms wird weiter Arbeitslosengeld ausbezahlt, wodurch die arbeitslosen Neugründer in spe "ohne Angst und Panik weiterdenken können", so Knill.