Die Kosten für das Programm beliefen sich im Jahr 2013 auf insgesamt 18,6 Millionen Euro: Darin enthalten waren die Arbeitslosengelder, die Kosten für die Unternehmensberater und die Qualifizierungskosten für die Gründer. Finanziert wird das Angebot, gleich wie die Schulungen und Beschäftigungsprogramme des AMS, aus dem Topf der Arbeitsmarktförderung.

"Der Nutzen des Programms ist sicher individuell verschieden - als 30-Jähriger kann man wahrscheinlich viel mehr mitnehmen", sagt Knill. "Ich wüsste nämlich nicht, wer mich besser beraten könnte als ich selbst mit 20 Jahren Erfahrung im Verlagswesen." Knill belegte dennoch Einführungskurse in die Fachgebiete Rechnungswesen, Marketing und Steuerrecht. Die Vortragende im Steuerrechtskurs engagierte er vom Fleck weg als seine Steuerberaterin.

"Irgendwie nehmen die Dinge schon ihren Lauf"


Nachdem der Mittfünfziger anfangs eine Verlagsberatung mit Lektorats-, Marketing- und EDV-Angeboten in Angriff genommen hatte, fanden er und sein Geschäftspartner Peter Sachartschenko schlussendlich über Umwege zum heutigen Unternehmen: einem Verlag für wissenschaftliche Publikationen. Die New Academic Press (NAP) wurde im April 2012 offiziell gegründet, mit dem Ziel, eine "Plattform zu sein für innovative Produkte, die es schwer haben, Verleger zu finden, aber es unseres Erachtens nach verdienen, publiziert zu werden", so Knill.

Damals hatten die zwei Unternehmer genau einen Titel: "Jahrbuch für Islamophobieforschung 2012". Als sich im Mai 2012 jedoch die Gelegenheit ergab, den Wissenschaftsverlag eines alten Verlagshauses zu kaufen, änderte sich das mit einem Schlag. "Plötzlich hatten wir 35.000 Bücher ‚am Hals‘ und 300 Titel, die es zu administrieren galt", sagt Knill.

"Es ist zu wenig zum Leben, aber zu viel zum Sterben"


Auch wenn nicht jeder wie Knill den Weg in die Selbständigkeit schafft, so liegt die Überlebensquote der Unternehmen laut AMS-Statistik nach drei Jahren doch bei 75 Prozent, bei fünf Jahren noch bei 64 Prozent. "Gründe für das Scheitern mancher Neugründer waren nachhaltige Schwierigkeiten bei der Markteinführung und bei der Finanzierung", so Sprenger vom AMS.

Auch Knill und sein Verlag schwimmen zweieinhalb Jahre nach der Gründung nicht in Geld - "es ist zu wenig zum Leben, aber zu viel zum Sterben", sagt Knill. "Uns geht es eben wie allen Kleinverlagen, aber das wussten wir vorher schon. Wir haben diesen Weg bewusst gewählt."

Allen anderen Neugründern rät Knill, in dem Bereich, in dem man bereits Berufserfahrung gesammelt hat, tätig zu werden. "Ich wüsste nicht, wie es sonst gehen sollte." Und tatsächlich haben laut Erhebungen des AMS drei Viertel der Gründer Branchenerfahrung in den von ihnen gewählten Bereichen.

Rückblickend meint Knill, er hätte die Verlagsgründung auch ohne das Arbeitsmarktservice gemacht - "es war aber schon eine große Hilfe". Und trotzdem: "Irgendwie nehmen die Dinge schon ihren Lauf - mit oder ohne AMS", sagt er.