Mehrere Hersteller entwickeln Lastenräder inzwischen auch für professionelle Anwender. Und die umweltfreundlichen Transportvehikel werden von immer mehr Wiener Unternehmen genutzt. War es vor ein paar Jahren noch allein der Cargo-Bike-Pionier "Heavy Pedals", der sperrige Lasten beförderte, gehören die muskelbetriebenen Gefährte heute immer öfter zum Straßenbild. So liefert die Supermarktkette Merkur damit Nahrungsmittel aus. Das Essenszustellservice "Rita bringt’s" liefert vegetarische Mittagsmenüs. Und seit kurzem liefert "Bringrad" Einkäufe von Geschäften der Mariahilfer Straße zu den Kunden nach Hause. Das Wiener Unternehmen CycleCraft etwa gestaltet professionelle E-Lastenräder unter anderem für den Eis-Greißler, für Almdudler oder Hirter, die - je nach Bedarf - mit Kühlaggregaten, Zapfanlagen oder Lautsprechersystemen bestückt sind.

Fahrräder deutlich schneller


Zurück zum Rennen: Es ist inzwischen 10.25 Uhr. Gerade betritt der Radfahrer "Wolf" das Lokal. Verschwitzt ist er nicht: "Ich bin ganz gemütlich gefahren. Zweimal musste ich bei roten Ampeln anhalten." Der E-Cargo-Bike-Fahrer trudelt um 10.29 Uhr ein. Bis "Cro" seinen Lkw geparkt hat und im Lokal erschienen ist, dauert es noch 20 weitere Minuten.

Diese Geschwindigkeit ist es letztlich, die für Brandstätter den Ausschlag gibt. Denn sie macht das Lastenrad im Stadtverkehr zur wirtschaftlich nachhaltigeren Variante. "Wir wollen die maximale Produktivität", sagt er. "In unserer Testphase hat sich gezeigt, dass wir mit den E-Cargo-Bikes auf mindestens denselben Umsatz kommen wie mit den kleinen Lkw." Bei Energiekosten, die zehnmal niedriger als die eines Autos sind, bei Anschaffungs- und Wartungskosten, die halb so hoch wie bei Kfz sind, ließen sich pro Lastenrad und Jahr Kosten in drei- bis vierstelliger Höhe sparen, rechnet der Unternehmer vor: "Das Ding amortisiert sich nach kurzer Zeit."

Obwohl Brandstätter Verbesserungsmöglichkeiten bei Dämpfung, Standardisierung von Ladeflächen und Akku-Kapazität sieht, will er Anfang 2015 die erste Tranche an Lastenrädern für den regulären Betrieb anschaffen: "Wir gehen davon aus, dass wir ein Fünftel des Warentransportes künftig mit den Lastenrädern erledigen. Für mittelgroße Sendungen im innerstädtischen Bereich sind sie ideal."