Koloniegründende Königin der Gelben Wiesenameise mit Brut und Erstlingsarbeiterin. Bei der Koloniegründung ist die Königin auf sich allein gestellt. - © Eduard Ottinger
Koloniegründende Königin der Gelben Wiesenameise mit Brut und Erstlingsarbeiterin. Bei der Koloniegründung ist die Königin auf sich allein gestellt. - © Eduard Ottinger

Bisher wurden weltweit rund 11.000 Ameisenarten registriert. Dem Menschen fallen die Tierchen vor allem lästig, wenn sie aus verschiedenen Gründen in seine Wohnumgebung eindringen. Auch durch ihre Attacken hat schon manch einer Ungemach erlitten.

Andererseits werden Ameisen nicht nur als Schädlinge und Angreifer, sondern auch als ausgesprochene Nützlinge wahrgenommen. Eine ganze Reihe von Pflanzen, etwa das Schneeglöckchen, sind bei der Samenverbreitung auf die Aktivität von Ameisen angewiesen. In den heimischen Wäldern treten sie als bedeutende Jäger auf und erfüllen solcherart – aus Sicht des Menschen – eine Rolle als "Gesundheitspolizei", indem sie Schädlinge wie Raupen und Käfer dezimieren. Ein starkes Volk der Kleinen Waldameise kann bis zu 100.000 Beutetiere pro Tag in den Bau eintragen.

Ameisler Moritz Stehr mit Ameisenpuppen-Sammelausrüstung, 1939. - © Landesmuseum Niederösterreich
Ameisler Moritz Stehr mit Ameisenpuppen-Sammelausrüstung, 1939. - © Landesmuseum Niederösterreich

Hochzeitsflug & Staatsgründung

Berührungspunkte mit dem Menschen gibt es auch im Hochsommer, wenn die Ameisen massenhaft ihre Nester verlassen und zum Hochzeitsflug ausschwärmen. Der Hochzeitsflug dient der Begründung von neuen Ameisenvölkern. Bei dieser Gelegenheit schwärmen die Männchen und die jungfräulichen Königinnen zur Begattung aus. Der einzige Daseinszweck der Männchen ist die Befruchtung. Bald nachdem sie diese bewerkstelligt haben, sterben sie. Die befruchtete Königin indes sucht sich einen geeigneten Lebensraum, wo sie eine Gründungskammer für ihre Brut errichtet. Die nicht mehr benötigten Flügel werden sodann an vorgegebenen Bruchstellen abgebrochen.

Unser Foto zeigt eine Ameisenkönigin mit Brut und Erstlingsarbeiterin. Die ersten Arbeiterinnen übernehmen sofort die Brutpflege sowie alle erforderlichen Arbeiten im neuen Ameisenstaat. Die Arbeiterinnen sind selbst nicht fortpflanzungsfähig und sorgen in altruistischer Weise für das Volk.

In der Ausstellung wird auch der wirtschaftliche Nutzen der Ameisen thematisiert. Im kleinen Bild ist der "Ameisler" Moritz Stehr aus dem niederösterreichischen Ort Erlaufklause mit seiner Ausrüstung zum Sammeln von Ameisenpuppen zu sehen.

Ameisen als Aphrodisiaka

Schon in einer gelehrten Schrift aus dem 17. Jahrhundert wird erläutert, wie man am besten "Omeisen-Eyer" sammeln kann (die Puppen wurden immer schon fälschlicherweise als

Eier bezeichnet). In der Frühen Neuzeit wurden aus Ameisen und Ameisenpuppen Arzneimittel hergestellt. Unter anderem sollte die Ameisentherapie bei Gicht und Ohrenleiden Abhilfe schaffen. Darüber hinaus dienten Ameisenpräparate als Aphrodisiaka.

Später, bis in die 1970er Jahre, waren Ameisenpuppen vor allem als Futter für Kanarienvögel und andere Käfigvögel gefragt. Die Entnahme der Puppen aus den Ameisenhaufen erforderte Geschick und wurde in Niederösterreich im Nebenberuf von den Ameislern durchgeführt. Auch Peter Rosegger hat sich in seinem Werk auf die Tätigkeit der Ameisler bezogen.

Ameisen – Unbekannte Faszination vor der Haustüre
Landesmuseum Niederösterreich
3109 St. Pölten, Kulturbezirk 5
Di bis So und Feiertage 9–17 Uhr
bis 7. Februar 2010
Tel. 0 27 42/ 90 80 90
www.landesmuseum.net