Wien. (rös) Waren 1993 noch 29 Prozent der Wiener mit den Öffis und 40 Prozent mit dem Auto unterwegs, so sind es im Vorjahr 39 zu 27 Prozent gewesen, erklärten Finanzstadträtin Renate Brauner und Wiener Linien-Geschäftsführerin Alexandra Reinagl am Dienstag in Wien.

Insofern ist die Stadt gut unterwegs, was den Stadtentwicklungsplan 2015 betrifft - zumindest was die Steigerung des Öffi-Anteils auf 40 Prozent bis 2015 betrifft. Das Vorhaben, in diesem Zeitraum den Autoverkehr von 27 Prozent auf 20 Prozent zu drücken, wirkt da schon ein wenig herausfordernder. Ebenso das Ziel, 2015 rund 30 Prozent Fußgängeranteil in der Stadt zu haben - schließlich sind diese Zahlen seit 1993 um zwei Prozentpunkte zurückgegangen (siehe Grafik).

Stolz ist man auf jeden Fall auf den Fahrgastzuwachs, der mit 931 Millionen Fahrgästen einen Rekord brachte - was eine Zuwachs von 3,5 Prozentpunkten gegenüber 2013 bedeutet. Den jüngsten Zuwachs erklärte Reinagl mit Intervallverdichtungen auf diversen Linien sowie der immer stärkeren Nachfrage der Jahreskarte. Demnach waren Ende des Jahres 2014 650.000 Jahreskarten im Umlauf. Ein Jahr davor waren es noch 580.000.

434 Millionen Subvention


Als Grund für den deutlichen Fahrgastanstieg 2014 sieht Reinagl den Bevölkerungszuwachs in Wien, etwa in der Donaustadt, wo in den letzten Jahren auch das Öffi-Angebot stark mitgewachsen sei. Auch die im Herbst 2013 umgesetzten Intervallverdichtungen auf zahlreichen Linien würden dafür sorgen, dass immer mehr Menschen mit U-Bahn, Bus und Bim unterwegs sind. Dass das auch mehr Geld kostet, sei klar, betonte Brauner. Alleine für das Jahr würde die Stadt die Wiener Linien mit 434 Millionen Euro unterstützen. "Jawohl, wir subventionieren die Wiener Linien, und das aus gutem Grund", betonte Brauner in Richtung Wiener ÖVP, die immer wieder die hohe Belastung für die Wiener Steuerzahler kritisiert. "Ich arbeite und kämpfe dafür, dass die Wienerinnen und Wiener so ein attraktives Öffi-Angebot haben. Das ist ein verkehrs- und wirtschaftspolitisches Bekenntnis und ein wichtiger Beitrag zur Umweltstadt", so Brauner.

Abgesehen davon würden die Zuschüsse weniger als die Fahrgastzahlen steigen. Und das sei laut Reinagl Effizienzsteigerungen und Strukturverbesserungen zu verdanken. "Sind 2003 auf einen Mitarbeiter noch 88.000 Fahrgäste gekommen, so waren es 2013 immerhin schon 110.000", erklärte die Wiener Linien-Chefin. Durch die Effizienzsteigerungen habe man darüber hinaus in den Jahren 2001 bis 2012 rund 370 Millionen Euro einsparen können.

Trotzdem kündigte Reinagl einen neuen Servicetrupp an, der Fahrgästen bei Linienstörungen als Ansprechpartner dienen und für Wegauskünfte oder bei Ticketfragen zur Verfügung stehen soll. Der zweimonatige Probebetrieb startet im April, danach wird evaluiert.

Neue Busse für 13A ab April


Außerdem sind derzeit einige Modernisierungsprojekte im Gange. Neben dem laufenden U1-Ausbau nach Oberlaa, den Vorarbeiten zur U4-Großsanierung und der Renovierung der U6-Station Alser Straße steht etwa eine Neuerung für die Buslinie 13A bevor. Auf der aktuell chronisch überfüllten Route werden ab April längere Gelenkbusse fahren. "Das bedeutet einen Kapazitätszuwachs von 50 Prozent", versprach Reinagl. Die Buslinie wird auf Mercedes-Gelenkbusse der neuesten Generation umgestellt. Die 18 Meter langen Busse sind mit Klimaanlage und Videoüberwachung ausgerüstet und verfügen über 128 statt der bisherigen 75 Plätze pro Autobus.

Bei den Schienenfahrzeugen kommen heuer 22 Niederflurstraßenbahnen und vier V-Züge für die U-Bahn hinzu. Kostenpunkt alleine für heuer: 109 Millionen Euro. In der Baustellensaison sind im Übrigen mehr als 30 Baustellen für den Tausch von Gleisen geplant. Darunter fallen auch Gleisabschnitte im Bereich Bellaria bis Heldenplatz auf der Ringstraße. Auch in Hütteldorf ist die Sanierung eines längeren Gleisabschnitts der Linie 49 vorgesehen. Weitere Gleisbaustellen befinden sich unter anderem in der Taborstraße und auf der Währinger Straße/Nussdorfer Straße.