Luiza Puiu
Luiza Puiu

Wien. Es ist wohl seine Funktion als grüne Recyclinganlage Wiens, die Simmering charakterisiert und prägt. Seit eh und je dient der elfte Bezirk als das Versorgungs- und Entsorgungsgebiet der Stadt - nicht zuletzt aufgrund seiner topographisch tiefen Lage am Südosten des Stadtrands. Hier befindet sich alles, was stadteinwärts weniger schick ist, keinen Platz findet oder dessen unangenehme Abgase durch den Wind von der Stadt weggeweht werden können: das Elektrizitätskraftwerk, die Hauptklär- sowie die Sonderabfallanlage, die ehemaligen Gaswerke. Aber auch zahlreiche Grünflächen wie der Zentralfriedhof, Gärtnereien und Gemüsefelder. Auf rund 23,3 Quadratkilometern besteht der elfte Bezirk zu mehr als 40 Prozent aus Grün - mehr als die Hälfte davon wird landwirtschaftlich genutzt.

SPÖ verlor 2010, FPÖ gewann massiv dazu

Als Industriebezirk ist Simmering stets ein klassisch roter Arbeiterbezirk gewesen. Lediglich 10,6 Prozent der 93.600 Bewohner verfügen über einen Hochschulabschluss, 46,7 Prozent haben nur eine Lehre oder eine berufsbildende Schule abgeschlossen. Lange dienten die Fabriken und Industrieanlagen der Umgebung als wichtigste Arbeitgeber im Bezirk. Hier hat die SPÖ jahrzehntelang mit Abstand dominiert und ihre sogenannte Basis bestellt - hat Simmering als eine Hochburg der Sozialdemokraten fungiert.

Doch diese Zeiten scheinen Geschichte. Bei den Bezirksvertretungswahlen 2010 verlor die SPÖ im Bezirk 11,46 Prozent und erreichte dabei nur noch knapp 49 Prozent aller Stimmen - die FPÖ gewann satte 16,05 Prozent dazu. Kein anderer Bezirk konnte das Ergebnis der Blauen toppen. FPÖ-Bezirksvorsteher-Stellvertreter Paul Stadler sieht sich bei den bevorstehenden Wahlen bereits an der Spitze des Bezirks. Eine Perspektive, die den anderen Bezirksparteien sauer aufstößt.

"Hauptsächlich sind das angefressene Bewohner von Gemeindebauten, wie auch die Wahlsprengelanalysen gezeigt haben", erklärt ÖVP-Bezirksparteiobmann Wolfgang Kieslich den Zuwachs der FPÖ-Wähler. Durch die Öffnung des sozialen Wohnbaus für Ausländer sowie das zunehmende Alter der alteingesessenen Bevölkerung entstanden Konfliktherde in den Gemeindebauten. "Scheiß Kanaken" liest man auf den Lifttüren eines Einkaufszentrums am Leberberg. "Ausländer Raus", im Stiegenhaus ein paar Meter weiter. Fruchtbarer Boden für die FPÖ, die auch bei den kommenden Gemeinderatswahlen mit dem Thema Integration und Sicherheit punkten will.