Leerstand oder Lager? Von außen ist die Nutzbarkeit nicht immer ersichtlich, die Agentur für Zwischennutzung soll es "Rauminteressierten" erleichtern, echten Leerstand ausfindig zu machen – und diesen Raum dann mit ihrer Kreativität zu füllen. - © Fotos: Luiza Puiu (oben); www.nest.agency (unten)
Leerstand oder Lager? Von außen ist die Nutzbarkeit nicht immer ersichtlich, die Agentur für Zwischennutzung soll es "Rauminteressierten" erleichtern, echten Leerstand ausfindig zu machen – und diesen Raum dann mit ihrer Kreativität zu füllen. - © Fotos: Luiza Puiu (oben); www.nest.agency (unten)

Wien. Die Geschichte der Zwischennutzungen in Wien ist eine junge. Zwar hat sich die rot-grüne Stadtregierung bereits 2010 eine Agentur für Zwischennutzung in ihr Regierungsübereinkommen geschrieben. Diese sollte "kulturelle Freiräume und Zwischennutzungen von leer stehenden Gebäuden, Brachflächen und Baulücken in allen Stadtteilen" ermöglichen, indem aktiv Meldungen über Leerstände von städtischen, bundeseigenen oder privaten Räumen gesammelt und auf Anfrage angeboten werden sollten. Rund ein halbes Jahr vor den nächsten Wahlen gibt es diese städtische Agentur noch immer nicht. Aus dem zuständigen Büro von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny heißt es, dass die Stadt ihre Pläne für eine ressortübergreifende Einrichtung "in Kürze" bekannt geben will.

Finanzierung durch Planung, Zwischennutzung, Verwaltung


Seit Kurzem gibt es mit "NEST - Agentur für Leerstandsmanagement in Wien" die nach eigenen Angaben erste Einrichtung dieser Art in Österreich. Die private Initiative haben Lukas Böckle, Angie Schmied und Magdalena Greis ergriffen und NEST am Dienstag der Öffentlichkeit präsentiert. Die Agentur versteht sich nicht nur als Vermittler zwischen Anbieter und Nutzer. Das Leistungsspektrum sieht vor, dass auch Standortanalysen, Machbarkeitsstudien, architektonische Planungen für den Eigentümer durchgeführt werden können. Außerdem sollen auch Verwaltungs-Aufgaben wie die Vertragsabwicklung oder das Erfassen von Leerständen angeboten werden. Durch diese drei Säulen - Planungsarbeiten, Zwischennutzung und Verwaltungsaufgaben - will sich die Agentur finanzieren.

Erfahrungen mit Zwischennutzungen hat das Team schon reichlich gesammelt. Böckle kann von sich behaupten, die Geschichte der Zwischennutzung in Wien von Anfang an miterlebt zu haben. 2012 habe er noch als Architekturstudent seine Diplomarbeit zum Thema Zwischennutzung begonnen, erzählt er. Der Zufall wollte es, dass er mit Hilfe des Architekturbüros, in dem er damals arbeitete, das Haus in der Schönbrunner Straße 111 als ein praktisches Projekt zur Verfügung hatte. Als das Haus nicht mehr nutzbar war, konnte mit Hilfe des Hauseigentümers in Vertretung von Magdalena Greis ein Nachfolgeobjekt gefunden werden: Mit Anfang 2014 stellte Bauträger Hans Jörg Ulreich das Gebäude in der Tautenhayngasse 22 in Rudolfsheim-Fünfhaus zur Verfügung. Die Popupstudios im dortigen ehemaligen Bürogebäude wurden zuerst als Verein betreut und gehören nun zu den beiden ersten Referenzprojekten der Agentur.