Wien. Für Wiens Öffis bricht ein neues Zeitalter an: Die U5, deren erstes Teilstück 2023 in Betrieb geht, wird Wiens erste vollautomatische U-Bahn-Linie sein. Sie wird damit gänzlich ohne Fahrer auskommen, teilten die zuständige Stadträtin Renate Brauner (SPÖ) und Wiener-Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer am Dienstag in einer Pressekonferenz mit.

Für den fahrerlosen U5-Betrieb - die Linie wird ab 2023 zwischen Karlsplatz und Altem AKH unterwegs sein, ab 2025 bis zum Elterleinplatz in Hernals- muss entsprechend ausgestattetes Wagenmaterial gekauft werden. Die Ausschreibung für bis zu 45 Züge startet in den nächsten Wochen. Für Testzwecke werden die ersten fahrerlosen U-Bahnen bereits ab 2018 im Einsatz sein, zeigte sich Brauner zuversichtlich. Die Wiener Linien erhoffen sich durch den Paradigmenwechsel eine Reihe von Vorteilen. So seien im automatischen Betrieb kürzere Intervalle von bis zu eineinhalb Minuten möglich, sagte Geschäftsführer Steinbauer.


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Zum Vergleich: Derzeit liegt das Maximum in Wien bei zweieinhalb Minuten. Außerdem brauche man für den gleichen Takt dann weniger Fahrzeuge auf der Strecke, da die Züge schneller wenden können. Durch Unabhängigkeit vom Fahrpersonal lasse sich auch flexibler auf Großereignisse wie Demonstrationen oder Sportevents reagieren, hieß es.

Schon jetzt nur noch mit Abfertigung beschäftigt

Aus Sicht der Öffi-Betriebe ist die Neuerung nicht allzu spektakulär. "Unsere Züge fahren schon jetzt fast automatisch", versicherte Steinbauer. Der Fahrer sei schon jetzt - mit Ausnahme der U6 - hauptsächlich mit der Abfertigung, also etwa dem Schließen der Türen, beschäftigt.

Da dies künftig ebenfalls der Computer übernehmen wird, braucht es spezielle Sicherheitstüren an den Bahnsteigen. Sie sind in eine Glaswand eingebaut, die den Wartebereich gänzlich vom Schienenbereich abriegelt, was Stürze auf die Gleise verhindert. Ist eine U-Bahn eingefahren, öffnen sich mit den Zugtüren auch die Sicherheitsschleusen.

Technisch werden die fahrerlosen Züge gewissermaßen von der Leitstelle in Erdberg ferngesteuert. Dabei sendet jede Garnitur permanent Daten - etwa über Standort, Geschwindigkeit und Abstand zum nächsten Zug. Das neue rollende Material - ebenfalls durchgängig begehbar, klimatisiert und zudem mit WLAN ausgestattet - wird aber trotzdem mit Fahrerkabinen ausgestattet sein, damit es auch auf den anderen U-Bahn-Linien eingesetzt werden kann. Wer den Zuschlag für den Großauftrag bekommt, wird Ende 2016 feststehen.

Brauner versprach, dass durch die Automatisierung kein Personal eingespart werde. Die obsoleten Fahrer sollen vielmehr umgeschult werden und das Serviceteam der Wiener Linien verstärken.

Gewerkschafter befürchten Stellenabbau

Die Personalvertreter sind von der Aussicht auf Wiens erste fahrerlose U-Bahn-Linie nicht sehr begeistert. "Ich halte eine solche Innovation in Zeiten von 400.000 Arbeitslosen im Land für schwerst entbehrlich", ärgerte sich Roman Hebenstreit, Vorsitzender des Fachbereichs Eisenbahn in der Gewerkschaft vida, am Dienstag. "Eine interessante Botschaft, die von der Sozialdemokratie da hinausposaunt wird", richtete Hebenstreit den Genossen aus. Brauners Versprechen niemanden aufgrund der Neuerung zu kündigen, kann den Gewerkschafter offenbar nicht beruhigen: "Ja, aber warum macht man’s dann überhaupt?" "Für Wien brauchst a G’spür. Freundschaft. Danke", quittierte Hebenstreit die Pläne der Stadt in Anlehnung an den aktuellen Slogan der Wiener SPÖ