Wien. Die kleine Holzhütte ist unbewohnt. Von ihr aus sieht man den ganzen Garten: die Hängematte, die in der Ecke Ruhe verspricht. Den aufblasbaren Pool unter einem der zwei alten Bäume und das Gemüsebeet, in dem die Tomaten reifen. Einzig das Geräusch der vorbeifahrenden Schnellbahn stört die Idylle und macht deutlich, dass man sich in der Stadt befindet. Zwischen Straßenlärm und Betongebäuden in Simmering versteckt sich nämlich eine kleine Grünfläche. Im Mädchengarten geht es aber nicht nur um gemeinschaftliches Garteln. Hier wird ein Stück Feminismus in die Köpfe der Besucherinnen gepflanzt.

Seit 1998 bietet der Mädchengarten hinter Am Kanal 59, im Hinterhof der "Szene", Mädchen und Frauen einen eigenen Raum. Burschen sind hier nicht willkommen. Jeden Dienstag findet von 15 bis 19 Uhr ein betreutes Programm statt, bei dem die Mädchen u.a. gemeinsam garteln.

Keine stereotypen Rollenmuster verstärken


Eine von ihnen ist Lisa. Trotz Gipsarm schlägt die Schülerin Nägel in das Holzschild mit der Aufschrift "wir halten zusammen". "Ich bin mit meiner Mama einmal mit dem Rad vorbeigefahren", erzählt die 10-Jährige. An dem Mädchengarten interessierte sie vor allem die Gartenarbeit in der Stadt. Seitdem ist sie fast jede Woche hier, in den Ferien besucht sie auch ein Technikcamp für Frauen. Nachdem das Schild aufgehängt ist, gesellt sie sich zu den anderen vier Mädchen, die im aufblasbaren Pool spielen.

Ziel des Mädchengartens ist, die Persönlichkeit der Mädchen getrennt vom anderen Geschlecht zu stärken und ihnen "einen Versuchsort zum Ausprobieren" zu bieten. Aber warum müssen die Geschlechter getrennt werden, um die Persönlichkeit der Mädchen stärken zu können? "Tendenziell sind Burschen im öffentlichen Raum dominanter. Das äußert sich bereits im Kindesalter. Mädchen hingegen neigen schon von klein auf dazu, eher einen Schritt zurück zu machen und den Burschen den Vortritt zu lassen. Diese sozialisierte Rollenverhalten lassen sich in einem geschlechtergetrennten Rahmen leichter aufbrechen, weil die Mädchen hier auch andere Erfahrungen sammeln, um draußen stärker für sich eintreten zu können", meint Larissa Breitenegger. Die Erlebnispädagogin und ausgebildete Jugendarbeiterin arbeitet seit dieser Saison als Betreuerin im Mädchengarten. Ihr Schwerpunkt liegt in der geschlechtsspezifischen Arbeit.