Einheimische zeigen Fremden ihre Stadt. - © privat
Einheimische zeigen Fremden ihre Stadt. - © privat

Wien. "Besuchern bei einem Spaziergang meine Stadt zu zeigen, hat mir immer schon Spaß gemacht", sagt Guggi. Früher, als sie noch im Büro arbeitete, waren es Kollegen oder Bekannte, heute geht die Pensionistin mit Fremden durch Wien.

Guggi ist eine von bisher 57 "Vienna Greeters", die Menschen aus der ganzen Welt in der Freizeit kostenlos und freiwillig die schönsten Plätze "ihrer" Stadt zeigen. Abseits der ausgetrampelten Touristenpfade lernen die Besucher Wien so bei gemütlichen Spaziergängen von einer ganz anderen, persönlichen Seite kennen - sei es beim Grätzelrundgang oder einem Ausflug zu den Wiener Wolkenkratzern.


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An diesem heißen Donnerstagnachmittag begrüßt Guggi ein deutsches Ehepaar im Foyer eines Innenstadthotels. Die beiden haben die "Vienna Greeters" im Internet entdeckt. Plaudernd geht es nun durch die Seitengassen des ersten Bezirks Richtung Alsergrund, während Guggi auf versteckte Innenhöfe, Hausschilder, persönliche Lieblingsplätze und Besonderheiten hinweist, die in keinem Reiseführer stehen. Die Spaziergänge beschränken sich aber selten auf die Innenstadt, sagt Jonathan Irons, Mitgründer der "Vienna Greeters". Im Gegenteil: "Die Route kann durch jeden beliebigen Stadtteil führen. Der Weg hängt ganz von den Wünschen der Besucher und den Ideen der Greeter ab." So gab es zum Beispiel auch schon einen Spaziergang durch die Gemeindebauten am Stadtrand, weit entfernt von den klassischen Sehenswürdigkeiten.

Die "Vienna Greeters" sind Teil des internationalen "Global Greeter"-Netzwerks, das 1992 von Lynn Brooks in New York gegründet wurde. Ihre Idee war, Fremden die Stadt aus ihrer Sicht als Einheimische näherzubringen und so die Scheu vor dem "Big Apple" zu nehmen. Mittlerweile gibt es Greeter in über 100 Städten auf der ganzen Welt, von Argentinien bis Vietnam. Sie alle teilen dieselben Grundwerte: Sie arbeiten ehrenamtlich und immer kostenlos, heißen jeden Besucher ohne Diskriminierung willkommen und unterstützen das Image ihrer Region.

In Wien wurde die Initiative im Jänner 2015 gestartet. Fünf Menschen aus Wien hatten sich unabhängig voneinander beim "Global Greeter"-Netzwerk gemeldet, um das Konzept in der weltweit 92. Stadt umzusetzen. Sie haben sich zusammengetan und innerhalb von sechs Monaten das Projekt durchgeplant. "Schon am zweiten Tag nach dem Launch hatten wir die erste Anfrage für einen Spaziergang", erinnert sich Mitgründer und Brite Jonathan Irons. "Derzeit sind es im Schnitt sieben neue Anfragen pro Woche."