Wien. Dass ältere Hietzinger noch heute in jenem Eissalon gefrorene Spezialitäten genießen können, in dem sie schon als Schulkinder eine Kugel im Stanitzel erstanden haben, ist zwei ägyptischen Geschäftsmännern zu verdanken. Das Café-Restaurant "Della Lucia" gleich bei der U-Bahnstation Hietzing war 1936 gegründet worden, verzeichnete aber um die Jahrtausendwende eine Durststrecke.

Bis Medhat Abdalla und Mohamed Khaled kamen, zwei Freunde, die einander aus Griechenland kannten, wo sie einen Imbiss geführt hatten. Abdalla ist nun seit mehr als 25 Jahren in Wien, mittlerweile mit vier Kindern und noch mehr Geschäftslokalen, die er mit seinem Partner führt.

Wichtige Netzwerke

Seinen Anfang als Geschäftsmann in Wien machte er 1990 mit einem kleinen italienischen Imbiss in der damals neu eröffneten Lugner City nach seinem Studium am Modul. Von seinen Erfahrungen mit dem Start in die Selbständigkeit kann Adalla eigentlich nur Gutes berichten: "Ich habe viele nette Leute kennengelernt und viel Wertschätzung und Hilfe erfahren, auch bei den Behörden." Wichtig sei für ihn die Erkenntnis gewesen, dass "man nicht alles alleine machen kann", sondern sich mit anderen zusammenschließen muss und die Fähigkeiten anderer nützen soll.

Das Wort "Netzwerke" fällt auch im Gespräch mit Tarafa Baghajati, dem Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen, sehr oft. "In Österreich läuft alles über persönliche Beziehungen, und die sind schwierig zu erlangen, wenn man neu in einem Land ist." Allerdings setzen sich unter anderem auch die Wirtschaftskammer (WK) Wien und einige Vereine bereits seit vielen Jahren für Migranten ein, die sich selbständig machen wollen.

Im Rahmen des Diversity-Programmes der WK Österreich etwa gibt es jährlich ein Mentoring-Programm, bei dem junge Unternehmer von den Erfahrungen Älterer lernen können. Denn auch die WK weiß: "Welch große Bedeutung informelles Wissen für den Arbeitsmarkterfolg hat, zeigt sich daran, dass in Österreich mehr als 78 Prozent der Jobsuchenden persönliche Netzwerke nutzen."

Baghajati weist in diesem Zusammenhang auf ein "bisher ungenutztes großes Potenzial" gerade in den Gemeinschaften nicht in Österreich Geborener hin: "Wir haben jetzt die erste Generation Pensionisten, die als Migranten in dieses Land gekommen sind." Diese würden gerne, auch ehrenamtlich, ihr Wissen weitergeben, ist Baghajati überzeugt. "Es muss nur jemand diese Kontakte organisieren." Die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen überlege ein solches Netzwerkprogramm, das es etwa in der türkischen Community bereits gibt. Ein Stolperstein bei dieser Weitergabe von Wissen sei jedoch, dass viele Migranten fürchten, sich neue Konkurrenz zu erschaffen, wenn sie Know-how an andere Zuwanderer weitergeben.