Reinigungs- und Pflegekräfte

Laut Statistik ist hier fast jeder dritte Gründer nicht in Österreich gebürtig bzw. hat nicht die Staatsbürgerschaft. In der Statistik der WK Wien stehen in der "Reihung nach Anzahl der Unternehmer mit Migrationshintergrund in Wien" die Slowaken an erster Stelle, gefolgt von Deutschen. Danach kommen Rumänen, Polen, Türken und Serben.

Die größte Gruppe machen Reinigungs- und Pflegekräfte aus, die sich als Ein-Personen-Unternehmen selbständig machen (müssen). Und hier sieht Baghajati eines der großen Probleme: "Man darf niemanden in Scheinselbständigkeit drängen oder ihn unfreiwillig zur Selbständigkeit zwingen." Das führe weder bei autochthonen Österreichern noch bei Migranten zum Erfolg.

Und Erfolg, das weiß auch Abdalla, ist "etwas, das die Österreicher respektieren". Er sei zum Glück "wenig echtem Rassismus begegnet". Menschen, die sich selbständig machen wollen, rät er, "einfach den Weg einzuschlagen, Hilfe findet man immer". Wichtig seien ein guter Ruf, eine innovative Idee, aber natürlich auch "Durchhaltevermögen". "Aber wenn man etwas will, dann schafft man es." Baghajati betont, dass es wichtig sei, dass alle auch eine Chance bekommen: "Viele Menschen sagen mir, dass nicht alle Einwanderer so wie ich Diplomingenieur mit ausgezeichneten Deutschkenntnissen sind, aber dann erzähle ich ihnen, was mir alles ermöglicht wurde." Baghajati war 1986 nach Österreich gekommen, um hier zu studieren. Eine Tante bürgte für ihn und schon nach fünf Stunden im Land besuchte er den ersten Deutschkurs. Durch weitere Studien und Arbeitgeber wurde das Visum verlängert, und schließlich erhielt er die Staatsbürgerschaft innerhalb von weniger als fünf Jahren.

Flüchtlingsausweis

"Oft müssen Migranten heute bis zu 18 Monate auf ihre Aufenthaltsgenehmigung warten, das ist tote Zeit, in der sie die Gesellschaft belasten," so Baghajati. Er spricht sich für eine Art Flüchtlingsausweis aus, mit Weiterreisemöglichkeit zumindest innerhalb Europas, wenn Verwandte in einem anderen Land bereit sind, die Flüchtlinge aufzunehmen. "Ich bin überzeugt, dass mindestens die Hälfte der Syrer bis ins letzte Eck der Welt reisen würden, wenn sie dort ein Geschäft aufbauen können, ohne Almosen von Staaten beziehen zu müssen."

Als Beispiel nennt er die heute vor allem in ländlichen Dörfern in Österreich gut integrierten syrischen Ärzte, die in den 1960er Jahren die medizinische Versorgung der Landbevölkerung gewährleistet hatten und dafür "anfänglich oft mit Eiern oder Hühnern bezahlt wurden". Heute seien sie meist hochgeschätzte Mitglieder der Gemeinden. "Das kann im Gastronomiebereich oder im Handel auch funktionieren", sagt Baghajati überzeugt.