Veranstaltungen wie Business Riot bieten Frauen die Möglichkeit zum Netzwerken. - © Marisa Vranjes
Veranstaltungen wie Business Riot bieten Frauen die Möglichkeit zum Netzwerken. - © Marisa Vranjes

Wien. "Ich hab immer Angst gehabt, dass irgendwann jemand merkt, dass ich keine Ahnung habe, was ich tue." Die etwa dreißig Frauen im Publikum lachen. Die Unternehmerin Kathrin Folkendt hat einen Nerv getroffen, als sie beschreibt, wie ihre beruflichen Anfänge bei einem der größten US-Technologieunternehmen ausgesehen haben. Viele finden sich in ihren Erzählungen von langen Arbeitsnächten, Versuchen, durch angepasste Kleidung seriöser zu wirken, und vom panischen Wettrennen mit den eigenen fachlichen Schwächen wieder. Heute, sagt Folkendt, habe sie gelernt, sich selbstbewusst auf ihre Stärken zu konzentrieren und sich nicht mehr unter ihrem Wert zu verkaufen.

Es ist ein besonderer Ton, der am vergangenen Wochenende beim Business Riot Festival im Impact Hub Vienna herrschte. Das in Wien ansässige Frauennetzwerk "Sorority" (Schwesternschaft) hatte ein breites Spektrum an Workshops und Podiumsdiskussionen für Frauen auf die Beine gestellt, mit einem klaren Fokus: Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt. "Wir wollten vor allem Kurse anbieten, die die Geschlechterordnung als soziales Konstrukt nicht weiter nähren. Nichts gegen Bauchtanzstunden oder die Styling-Beratung für sicheres Auftreten, Kurse, die sich in vielen, auch öffentlich geförderten Weiterbildungsmodulen für Frauen wiederfinden. Solche Seminare mögen Spaß machen, aber progressive Frauenförderung ist etwas anderes", sagt Sorority-Vorstandsmitglied Sandra Nigischer. Stattdessen wolle man Frauen das Rüstwerk anbieten, sich auf dem Arbeitsmarkt selbstbestimmt zu bewegen, um unabhängig zu sein und später nicht in die Altersarmut zu schlittern.

Auf dem Sorority-Stundenplan stehen daher Veranstaltungen zum Thema Gehaltsverhandlungen, Konfliktmanagement im Job, Stimm- und Sprechtraining sowie Diskussionen zu Themen wie "Neue Arbeitswelten". Dabei wurde eines klar: Bei Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt geht es bei weitem nicht nur um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Vielmehr boten die Lebenswelten der über 350 Teilnehmerinnen eine große Vielfalt an Problemen und Schwierigkeiten, die ihnen den Berufsalltag erschweren. Sie genieren sich, laut zu sagen, wie wenig sie verdienen, bekommen Halsschmerzen, wenn sie etwa bei Moderationen oder beim Unterrichten lange sprechen müssen, wollen einen bestimmten Dialekt loswerden, haben keine Ahnung, wie sie den Programmierern in ihrer Firma erklären sollen, was sie auf ihren Websites brauchen, weil ihnen das Vokabular dazu fehlt. Sie wissen sehr konkret, was sie brauchen, um mehr Erfolg zu haben, haben aber oft Mühe herauszufinden, woher sie es bekommen können. Warum eigentlich?