Der Gedanke hinter dem makaber anmutenden Thema der diesjährigen Ausstellung ist von Manuel Gras schnell erklärt: "Wir Künstler machen permanent Dinge, um die Unsterblichkeit zu erlangen und vergessen darüber hinaus eine Sache: das Leben selbst. Wir haben daher mit dem Accessoire Funeraire nicht die Kunst begraben, sondern uns daran erinnert, wie wichtig das Hier und Jetzt, das Erschaffen unserer Kunst, ist - und nicht der Gedanke an die Unsterblichkeit."

Den Spagat zwischen Tod und Leben schaffen Werke wie "Von der Wiege bis zum Grab" der Kärntnerin Gudrun Kampl. Der zu einem Kinderwagen umfunktionierte Sarg mit Tierhaut und rotem Samt stellt für sie ein Lebensobjekt dar. "Nur wir lebenden Menschen können den Tod begreifen, ihn wahrnehmen. Tod hat immer etwas mit Leben zu tun. Man soll sich nicht auf den Tod konzentrieren, sondern das Leben selbst."

"Lebendige Kunst"


Ein anderes Ausstellungsstück ist eine schwarze Urne, die ein großer Schmetterling mit goldenen Flügeln ziert - sein Körper ist jedoch ein Totenschädel. Die Idee dazu hat Künstlerin Julia Hainzl aus dem Wiedergeburtsgedanken des Buddhismus übernommen. "Der Schmetterling ist ein Tier, das sich immer wieder verwandelt und seinen alten Körper ablegt. Theoretisch könnte ein Mensch genauso seinen Körper ablegen und in einem anderen weiterleben." Die Idee des "Accessoire Funeraire" hält sie für "sehr skurril. Aber es passt gut zu Wien."

Ebenso einem Schmetterling ähnlich und eins der zentralen Stücke der Domaufbahrung war "einsSEIN" der Künstlergruppe "TEAM[:]niel". Der zerschnittene und wie Flügel aufgeklappte schwarze Holzsarg mit goldenem Verbindungsstück befasst sich mit dem heiklen Thema des Freitodes. "Das ist ein wichtiger Punkt in unserer Lebensphilosophie. Es ist uns nicht nur wichtig, bewusst zu leben, sondern Freiheit in unserem Leben auch mit einer bewussten Entscheidung für das Ende zu versehen", erzählt Veronika Bayer von "TEAM[:]niel" der "Wiener Zeitung".

"Unserer Meinung nach bekommt damit alles davor ein größeres Gewicht, weil man dann anders mit dem Leben umgeht. Man geht achtsam mit dem Leben um. Viele Leute leben einfach in den Tag hinein", fährt sie fort. "Das überschneidet sich ein wenig mit der Philosophie ,Carpe Diem‘. Man soll jeden Tag und jeden Moment nutzen, aber auf eine Weise, dass man hinterher sagen kann: ,Ja, das könnte mein letzter Moment gewesen sein‘." Ihr Objekt soll nicht in einem Museum verstauben, sondern als "lebendes Kunstwerk" einmal Teil der Beerdigung der dreiköpfigen Künstlergruppe sein. "Dafür haben wir schon die Genehmigung der Bestattung Wien - auch wenn dieser Moment noch weit in der Zukunft liegt", meint Veronika Bayer lachend. "Der Tod gehört zum Leben dazu und beides soll mit Humor betrachtet werden."

Auch Manuel Gras ist als Künstler vertreten. Er hat einen aufgestellten Holzsarg mit verschiedenen internationalen Banknoten ausgekleidet, in der Rückwand ist ein großer Spiegel eingelassen. Auf die Frage nach dem Sinn dahinter schmunzelt er und meint: "Stellen Sie sich einfach mal davor und überlegen Sie, wie Sie sich dabei fühlen."