Wien. Elektroautos sind in Wien nach wie vor Ladenhüter, auch wenn sich die Zahl der Neuzulassungen in diesem Jahr stark gesteigert hat. Laut Statistik Austria wurden 277 Stromer zwischen Jänner und Oktober in der Bundeshauptstadt zugelassen. Im Zeitraum des Vorjahres waren es noch 118 gewesen.

Es sind die geringe Reichweite der Fahrzeuge und die dünn gesäten Ladepunkte, die den Wiener Autofahrer davor abhalten, ein E-Auto zu kaufen. Durchschnittlich 250 Kilometer Reichweite und stundenlanges Aufladen sind eben keine Verkaufsargumente. Außerdem ist der Sprit für Verbrennungsmotoren wieder billiger geworden und der Spritverbrauch von Neuwagen geringer.

Für die Autokonzerne eine unglückliche Entwicklung. Schließlich bleibt BMW, VW und Co. nicht mehr viel Zeit, die strombetriebenen Ladenhüter attraktiver zu machen und damit die ihnen von der EU auferlegten CO2
-Ziele für 2021 zu erfüllen. Durchschnittlich 95g/km, also weniger als 100 Gramm CO2
pro Kilometer dürfen Neuwägen dann nur noch ausstoßen. Wird ein Hersteller den Auflagen nicht gerecht, muss er für jedes Gramm mehr CO2
pro Kilometer Strafe zahlen. Eine Auflage, die angesichts des Verkaufserfolgs von wuchtigen SUVs ohne Elektroautos nicht zu schaffen ist.

Autohersteller
setzen auf Carsharing


Und dann ist da noch die Skepsis der Autofahrer selbst. Mit der Verbesserung der Technologie alleine wird man sie nicht umstimmen können. Die Hersteller versuchen nun immer häufiger über das in Städten beliebte Carsharing, das E-Auto als Alternative zum Verbrennungsmotor zu bewerben. Auch in Wien wird der von Autohersteller BMW Group sowie dem Mietwagenunternehmen Sixt geführte Carsharing-Anbieter DriveNow ab der ersten Dezemberwoche auf Strom umstellen. Die Flotte soll mit den ersten 20 BMW i3 aufgestockt werden, heißt es.

Um das CO2
-Ziel zu erreichen, sind die Hersteller aber auch auf die Politik angewiesen. "Wir hoffen, dass die Stadt Wien das Thema Elektromobilität genauso ernst nimmt wie wir und den Ausbau der Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum künftig verstärkt vorantreibt", sagt dazu Robert Kahr, Geschäftsführer von DriveNow Österreich. Nachsatz: Derzeit gebe es keine flächendeckende Infrastruktur in Wien.

Laut dem rot-grünen Regierungsübereinkommen soll der Ausbau von Elektromobilität in Wien gefördert werden. So kann man sich erstmals Ladepunkte im öffentlichen Raum vorstellen, wenn auch nur an manchen zentralen Stellen in den Bezirken, sagt der grüne Verkehrssprecher Rüdiger Maresch. "Wir wollen schließlich nicht den ganzen öffentlichen Raum mit Autos voll haben, die dort mehrere Stunden stehen, um geladen zu werden."