Wien. Seit einigen Jahren lädt Wiens Bürgermeister Michael Häupl die jüdische Gemeinde jeden Winter zum Chanukka-Feiern ins Rathaus: Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg zündete am Donnerstag die Kerzen, danach wurde vom Kinderchor des Stadttempels und Oberkantor Shmuel Barzilai das traditionelle Chanukka-Lied "Maos Zur" angestimmt. Traditionell auch die süße Verlockung: Gereicht wurden Sufganjot - auf gut Wienerisch Krapfen.

Das jüdische Lichterfest erinnert an das Wunder nach der Zerstörung des Tempels bei dessen Wiedereinweihung 164 v. Chr.: Öl, das nur ausgereicht hätte, um die Menora einen Tag lang leuchten zu lassen, sorgte schließlich acht Tage lang für Licht - genau so lange, bis neues Öl hergestellt werden konnte. Der Chanukka-Leuchter hat daher acht Arme (und eine Dienerkerze) und gegessen werden Speisen, die in Öl herausgebacken werden.

Als größten Wunsch für 2016 formulierte Häupl, "Frieden in der Welt zu schaffen" - Europa stehe aktuell vor der großen Herausforderung, Menschen die vor den Mörderbanden des IS und dem Verhungern in den Lagern in der Kriegsregion fliehen, zu helfen - Letzteres übrigens "eine Schande für die Welt". Diese sei gefordert, für ein Ende der Kriege in Syrien, dem Irak, Afghanistan, aber auch in Afrika zu sorgen. Oskar Deutsch, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien, betonte ebenfalls, "das Wichtigste für nächstes Jahr wird es sein, dass es Frieden gibt". Die Politik sei gefragt, die bestehenden Krisen zu lösen.

Stolz ist Häupl, dass es in Wien ein gutes Miteinander der verschiedenen Religionen gebe. "Das trägt auch zum sozialen Frieden in der Stadt bei", wie er gegenüber der "Wiener Zeitung" betonte. Denn: "Wenn sich die Religionsgemeinschaften streiten, schlägt sich das auch auf das Zusammenleben der Menschen nieder." Diese Woche leuchte die Chanukkia und es gebe im laufenden Advent verschiedene christliche Adventkränze - darunter auch ein evangelischer, der nicht nur mit den üblichen vier großen, sondern zusätzlich mit 20 kleinen Kerzen bestückt ist, im Haus. Die Muslimen seien wiederum zum Fastenbrechen zu Gast im Rathaus.