Wien. Mit Geld lässt sich alles regeln. Stars nach Wien holen, eine Top-Lüftung kaufen, von Künstlern die Häusln gestalten lassen, schicke Werbung schalten oder eine knackige Soundanlage besorgen. Das alles spült mehr Publikum in den Club - und wie sagt man so, man muss Geld ausgeben, um Geld zu verdienen.

In der Clubkultur gibt es allerdings kein Auffangnetz. Man arbeitet in einem gänzlich kapitalistischen System. Deshalb wurde gern von Marktbereinigung gesprochen, als vor etwa zwei Jahren einige von ihnen schließen mussten. Weil Clubs keine Scheine drucken können, schlittern sie mitunter, schnell oder langsam, in die Pleite. Schulden sind insofern natürlich der bei weitem häufigste Grund, warum Clubs schließen müssen. Oft ist das fehlende Geld aber nur ein Symptom. Und dahinter stecken andere Probleme. In Wien hat das meistens mit einem dieser Gründe zu tun.

Lärmbeschwerden


Schall ist schwer kontrollierbar und überträgt sich nun einmal. Über Hohlräume in den Wänden, übers Wasser und über flache Mauern. Und manchmal kommt dieser Schall an den seltsamsten Orten an und macht einen Nachbarn unruhig. Ja, meistens ist es nur ein Nachbar, mit dem Clubs zu kämpfen haben. Der schimpft "seid’s derrisch?" und ruft die Polizei. Die kommt und prüft, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Das Zauberwort heißt dabei "Betriebsanlagengenehmigung". Sie betrifft eigentlich mehr als nur die Lautstärke.

Manche sind in Wien schon sehr alt und tendenziell lockerer, manche neu und strenger. Deshalb darf an dem einen Ort Krawall bis 4 Uhr Früh sein, während anderswo ab elf die Musik kaum noch hörbar sein sollte. Weil aber so eine Genehmigung mit viel Amtswegen, Prüfungen und Bescheiden verbunden ist, kann es dauern, bis ein Club weiß, wie lange er wie laut sein darf.

Ist es danach im Club zu leise, was es oft ist, dann müssen teure Raum-in-Raum-Konstruktionen und Soundkonzepte her. Ob der eine Nachbar dadurch weniger gestört wird, ob der Sound im Club druckvoller ist, weiß man leider immer erst hinterher. Dabei hat eigentlich jeder Clubbetreiber Verständnis und versucht entgegenzukommen, wenn sich andere gestört fühlen. Manche hat das letztendlich allerdings in den Konkurs getrieben.

Abnützung und Vandalismus


Wie teuer die Instandhaltung wirklich ist, darüber klagt eigentlich jeder, der einen Club führt. Das Dach wird undicht, dort hat jemand Bier über die Player gekippt, eh nur ganz wenig, oder dort hat sich eine Tür völlig verzogen, Leitungen müssen neu gemacht werden, Armaturen, Wartungen, das ganze Programm. Und Handwerker sind teuer. Dabei werden Clubs meistens eröffnet, um sich und seinen Freunden einen besonderen Ort zu schenken. An Abrechnungstabellen und ständige Bauarbeiten denkt dabei anfangs fast niemand. Zu den üblichen Abnützungserscheinungen kommt dann noch Vandalismus hinzu. Denn Leute können am Wochenende auch mal betrunken und frustriert sein. Da muss ein ganzes Klo dran glauben, eine Halterung oder der Bezug eines Hockers. Und wenn vor den Türen des Clubs etwas kaputt geht, hat man auch gleich noch Scherereien mit den Nachbarn.

Verpflichtende Notausgänge


Notausgänge muss es natürlich geben. Zu viele Menschen sind durch Pyrotechnik oder Rauch in Clubs in anderen Ländern bereits ums Leben gekommen. Deshalb braucht es breite Fluchtwege. Manche Clubs werden allerdings in Kellern oder Dachgeschoßen eröffnet und sind nur über schmale, lange Stiegen oder Gänge erreichbar. Sie werden dann für relativ wenige Menschen zugelassen. Und manche Clubs lassen eben doch deutlich mehr Leute rein, als sie dürften. Das geht so lange gut, bis es nicht mehr gut geht. Dann kommt jemand vom Amt, der nicht länger wegschaut, und schließt das Loch.

Hohe Mieten


Es viele Gerüchte darüber, inwieweit ein Club dazu dienen kann, eine ganzes Grätzel aufzuwerten oder mit dem Lärm innen und dem vor der Tür auch gezielt abzuwerten. Grundstücksspekulation ist hier aber nicht das Thema. Mieten bzw. eine rasant steigende Pacht können für einen Club allerdings der entscheidende Auslöser sein, der Selbstausbeutung ein Ende zu setzen.

Manche Clubs sind auch einfach von vornherein als temporärer Ort geplant. Das Ablaufdatum macht sie sogar aus. Im besten Fall baut sich so ein Club ein Stammpublikum auf und zieht mit diesem in eine ganz neue, dauerhafte Bleibe.

Nicht länger als zehn Jahre


Während die einen also euphorisch aufsperren, verblassen andere ganz langsam. So wie Altersschwäche allerdings bei Menschen keine echte Todesursache ist, ist sie das bei Clubs auch nicht. Trotzdem beschreibt sie ein komplexes Phänomen. Clubs verlieren irgendwann ihren Reiz. Das kann sein, weil angesagte Stile sich schnell ändern, weil zu viele andere Clubs in einer Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt aufsperren, die für ein paar Wochen aufregender sind, oder weil die Verantwortlichen zu sehr ihre alten Bahnen gewohnt sind und nicht mehr gewillt sind, sich auf neue Formen der Zusammenarbeit oder der Vermarktung einzustellen.

Vielleicht wird auch einfach nur das Stammpublikum älter, hat jetzt Jobs oder bekommt Kinder. Oder - auch schon passiert - die Liebe spaltet ehemals beste Freunde. Clubjahre sind ohnehin wie Hundejahre. Spätestens nach vier Jahren verkaufen, heißt es gern. Und tatsächlich konnten sich bisher wenige Clubs länger als zehn Jahre halten.