Wien. Wieder und wieder dreht sich die Schleifmaschine, bis die Hornschicht unter dem schwarzen Matsch aus Bimssteinmehl und Wasser zu glänzen beginnt. Thomas Petz hält jede Stelle des Kamms an die rotierende Scheibe. Alles muss gleichmäßig poliert werden. Sorgfalt ist für den jungen Unternehmer bei seiner Arbeit das Wichtigste und zeichnet seine Produkte aus: "Ein Hornkamm aus Asien ist wahrscheinlich halb so teuer, dafür aber auch in der Verarbeitung viel schlechter. Der ist dann dünn und spitz und einfach nicht so angenehm im Haar und auf der Kopfhaut."

Ein Kamm aus seiner Herstellung kostet zwischen 18 und 43 Euro, je nach Modell. Kämme sind der Schwerpunkt der Manufaktur, im Sortiment befinden sich auch Schmuck und Gebrauchsgegenstände wie Pfeffermühlen, Becher oder Salatbesteck. Vertrieben werden die Produkte im Onlineshop und verschiedenen Geschäften in Österreich und Deutschland. 2008 hat der heute 29-jährige Petz die Werkstatt von seinen Großeltern übernommen. Der Raum ist hell und groß, eine feine Staubschicht verleiht der Einrichtung ein leichtes Grau. Allein der Geruch ist für Neuankömmlinge anfangs nicht leicht zu ertragen. "Man gewöhnt sich daran", sagt Thomas Petz schmunzelnd.

"Jedes Stück ist anders"


Bereits mit zwölf Jahren besuchte der gebürtige Tiroler immer wieder seine Großeltern in deren Betrieb im 15. Bezirk. Nach dem Schulabschluss fasste er bald die Entscheidung, diesen zu übernehmen. An der Wand hängt, neben einem Schlüsselanhänger, einer Bürste und einem Schuhlöffel aus Horn, eine vergilbte Urkunde, die dem Betrieb sein Bestehen seit 1862 bescheinigt. Thomas Petz führt das Unternehmen in fünfter Generation. Wie bei seinem Großvater, der auch nach Feierabend und in der Pension am liebsten in der Werkstatt war, ist es auch bei ihm nicht nur Beruf, sondern Leidenschaft. "Schon als Kind hat mich an Horn fasziniert, wie sich eine Oberfläche in so kurzer Zeit verändern kann. Das ist bis heute geblieben." Was ihm noch daran gefällt? "Jedes Stück ist anders." Also ging er bei seinem Großvater, dem letzten Hornkammermachermeister Wiens, in die Lehre. Inoffiziell, denn heute ist das Hornhandwerk ein freies Gewerbe. "Mit der Industrialisierung wurden auch die Hornkammmachermeister weniger. Nach dem Ersten Weltkrieg gab es in Österreich etwa 200, nach dem Zweiten nur noch 80, irgendwann hat sich die Innung aufgelöst. Heute führe ich den letzten traditionellen Handwerksbetrieb in Wien." Das bedeutet, dass Thomas Petz immer noch genau nach den Methoden seines Großvaters arbeitet, die seiner Meinung bis jetzt nicht wirklich verbessert wurden. Lediglich das Ausschneiden des Horns geschieht heute mit der Fräse statt mit der Kreissäge.