Vorsätze positiv zu formulieren wirkt, erklären Linda Kaszubski (r.) und Sonja Zant. - © Arnold Burghardt
Vorsätze positiv zu formulieren wirkt, erklären Linda Kaszubski (r.) und Sonja Zant. - © Arnold Burghardt

"Wiener Zeitung":Neues Jahr, neue Vorsätze: Warum lassen sich Neujahrsvorsätze meist nur sehr schwer umsetzen?

Linda Kaszubski: Neujahrsvorsätze sind meist mit einem großen Druck verbunden. Und meist sind es wirklich unsexy Sachen, die man sich vornimmt. "Ich will zum Rauchen aufhören", "Ich möchte zehn Kilo abnehmen" oder "Ich möchte mehr Sport machen, aber ich bin leider Sofasurfer" - diese Ziele sind wahnsinnig unattraktiv. Und nur, weil ein neues Jahr beginnt, mache ich dann das, was ich sonst nie machen würde? Das funktioniert bei der Umsetzung von Zielen nicht. Denn unattraktive Ziele möchte man nicht erreichen.

Wie funktioniert es dann?

Linda Kaszubski: Man muss etwas finden, das attraktiv ist und sich die Frage stellen, warum möchte ich eigentlich um zehn Kilo leichter sein? Man muss einen Blick dahinter werfen. Wir Menschen funktionieren sehr gut, wenn wir etwas nicht mögen. Dann finden wir sehr viele Ausreden, warum wir Dinge nicht umsetzen, ob neues Jahr ist oder nicht, das ist dann völlig egal. Das bedeutet, dass man mit attraktiven Zielen arbeiten muss. Man muss sich damit auseinandersetzen, was attraktiv daran ist, wenn man abnimmt oder zum Rauchen aufhört. Und das ist dann das Ziel.

Machen Neujahrsvorsätze überhaupt Sinn?

Linda Kaszubski: Das Neujahr ist dafür da, sich die Frage zu stellen: Was wollte ich schon immer machen und habe mir keine Zeit dafür genommen?" Und wenn es tief von Innen kommt und es wirklich attraktive Ziele sind, dann kann man die Ziele sehr gut umsetzen. Wenn jemand begeistert von seinen Zielen erzählt, dann geht es meist von selbst.

Weshalb scheitert man so oft?

Sonja Zant: Der Grund, warum sechs von zehn Neujahrsvorsätze scheitern, ist, weil sie negativ formuliert sind. Ich möchte zum Rauchen aufhören, ich möchte weniger essen. Schon in der Aussprache merkt man, das lockt einen nicht hinter dem Ofen hervor, das will man nicht. Es gilt herauszufinden, was dann anders ist. Und das stattet einen mit einer Willenskraft und mit einer Lust aus, es zu wagen. Die Willenskraft, die Lust und die Freude müssen aktiviert werden; diesen Schlüssel gilt es zu drehen, denn dann geht man auch die Schritte. Das ist ganz entscheidend. Und dann ist das Scheitern auch reduziert. Wenn jedoch der Aufwand zu groß ist und die Lust zu klein ist, dann geht ein Delta auf, das man im Februar nicht mehr schließen kann.

Ihre Tipps, damit das Delta nicht aufgeht . . .

Sonja Zant: Ich kann es nur nochmals wiederholen: Das Ziel muss möglichst attraktiv sein und man muss sich wirklich damit auseinandersetzen, was dann anders wäre. Wenn ich jetzt weniger Kilo hätte oder weniger rauchen würde, finde ich dann beispielsweise mein Leben lustvoller? Schnaufe ich beim Rad fahren nicht so viel oder finde ich mich persönlich attraktiver? Also die Frage "Was ist dann anders?" ist ganz wichtig. Das muss man dann auch verinnerlichen. Man fühlt sich dann auch mächtiger, ermächtigt von seiner eigenen Willenskraft. Und, das dritte ganz Wichtige ist, in kleinen Schritten seinen Zielen näher zukommen. Das ist der zweite Punkt, warum Neujahrsvorsätze scheitern, da man sich viel zu viel vornimmt und alles soll am besten auf einmal funktionieren. Man muss seine Ziele in ganz kleinen Schritten realisieren, sonst funktioniert es nicht. Man muss sich die Frage stellen, was die ersten ganz kleinen Schritte wären. Was sind die ersten Anzeichen, dass man merkt, dass man in die richtige Richtung geht? Wichtig ist es, in wirklich ganz kleinen Schritten zu denken. Und, man muss sich nicht alleine durchkämpfen, sondern kann seine Ziele in Form eines Buddy-Systems erreichen. Mit seinem Buddy macht man sich eine Deadline aus. Das sollte aber nicht erst in einem Jahr sein, sondern vielleicht in einem Monat, in dem man die ersten kleinen Schritten umgesetzt hat."

Braucht man einen Coach oder kann man sich selbst auch selbst coachen?

Linda Kaszubski: Meistens haben die Leute nach einer Coaching-Stunde, wenn sie ihre Ziele definiert haben, einen wirklichen Zug drauf. Es ist unser Job, es so attraktiv zu machen, dass es von selbst geht, ohne, dass es mühsam ist. Und meistens geht es schneller, als die Leute es sich vornehmen, da das Thema hinter dem Thema beleuchtet wird. Aber Coaching ist keine Wunderwaffe, das muss man auch sagen. Coaching verkürzt die Zeit. Jeder, der zu uns kommt, könnte sein Thema oder sein Ziel auch selbst lösen. Das ist ganz wichtig zu sagen. Nur, über diese Strukturiertheit beim Coaching passieren die Dinge in kürzer Zeit. Man muss nicht sieben Mal einen mühsamen Umweg gehen, sondern bleibt meist dran. Dieses Ausweichen gehört jedoch zum Prozess dazu. Jeder tickt unterschiedlich. Und tendenziell muss jemand, der sehr lange für Veränderungen braucht, ganz viele Schleifen gehen und ganze viele Male sich seine Neujahrsvorsätze vornehmen. Und, wenn es immer wieder Thema ist, dann geht es meist von selbst. Das ist so. Im Coaching gehen wir da schneller an die Sache ran, weil wir uns die Umwege ersparen. Der Weg ist ein gerade und direkter.