Wien. Hernals hat sein eigenes Parfüm, seine eigene Duftnote. Es riecht nach Schokoladenfondue und nach Kindheit. Das wärmende Aroma wird rund um die Wilhelminenstraße erzeugt: in der Mannerfabrik, wo seit mehr als einem Jahrhundert die berühmten Naschereien im rosa Papier hergestellt werden. Der Geruch aus Haselnuss und Schokolade wandert von dort aus durch die Straßen, hinüber in den angrenzenden 16. Bezirk. Wenn der Wind sich dreht, zeigt sich Ottakrings herbes Eau du Parfum: Malz-Aroma aus der Brauerei in der Ottakringer Straße.

Die Bewohner der beiden traditionellen roten Arbeiterbezirke werden zumindest von der Nascherei bald auch bis nach Hause verfolgt. Ab Herbst riechen die Anwohner nicht nur, was hinter den Mauern der 1200-Qudratmeter-großen Fabrik vor sich geht, sie spüren es auch am eigenen Leib. Die Wärme, die beim Backen der Waffeln entsteht, wird in ein paar Monaten in das lokale Fernwärmenetz eingespeist - die "Wiener Zeitung" hat berichtet - 600 Haushalte in der Umgebung sollen damit geheizt und mit Warmwasser versorgt werden. "Wir wollen Wärme nicht mehr sinnlos verblasen", sagt der Projektleiter Michael Höbinger. Der jährliche CO2-Ausstoß soll um 1000 Tonnen reduziert werden.

Der große Plan


Das Unternehmen möchte mit dieser Kooperation mit Wien Energie die Energieverwertung effizienter gestalten. Sie sind damit nicht die Einzigen, die den Kontakt zu Wien Energie suchen. "Der Trend in Wien geht hin zu dezentraler Energieerzeugung", sagt Boris Kaspar, Sprecher von Wien Energie. Unternehmen wollen sich anscheinend lokal in der Nachbarschaft einbringen. Neben Manner kooperiert Wien Energie mittlerweile etwa auch mit Spar. So wird an manchen Supermarkt-Filialen in Wien mit Solaranlagen experimentiert und bald etwa bei der Spar-Filiale Brünner Straße die erste Gleichstromladestation errichtet.

Die Manner’sche Energiewende selbst ist Teil eines viel größeren Plans. Der 44-jährige Höbinger arbeitet mit einem 12-köpfigen Team an einer Modernisierung des Standorts. In den nächsten Jahren soll die Produktion automatisiert und vereinfacht werden. Der Umbau ist voll im Gange.

Das merkt man auch, wenn man durch die Fabrik mit den riesigen Fenstern und luftigen Räumen spaziert. Es rauscht, der typische Schokoladen-Duft durchströmt das Gebäude. Einerseits kontrollieren Mitarbeiter die Waffeln, die über die Fließbänder rumpeln. Ein paar Räume weiter wird andererseits ein Schacht ausgebaut, damit bald nicht mehr Arbeiter Waffeln von einem Stock in den nächsten bringen, sondern es automatisiert in einem Schacht hinunter zur Verpackungsstation rattert. In nur 30 Minuten soll zukünftig eine Schnitte von der Waffel zur fertig verpackten und auslieferbaren Schnitte werden. 40 Millionen wird laut Manner in den Ausbau investiert.