Die Saison ist eröffnet. Heute, Sonntag, geht das Eisenbahnmuseum Strasshof wieder in den Sommerbetrieb. Und zur Saisoneröffnung (10 bis 17 Uhr) gibt es diesmal ein besonderes Schmankerl: Nach langer Restauration fährt der legendäre Blaue Blitz wieder. Der 1997 ausgemusterte Schnellzug-Dieseltriebwagen erlebt damit nach fast 20 Jahren ein kleines Comeback – wenn auch nur in Form einer Sonderfahrt.

Aber auch mehrere Dampfloks werden heute wieder in Strasshof an der Nordbahn, nur etwa 15 Kilometer von der Wiener Stadtgrenze entfernt, unterwegs sein. Dabei im Führerstand mitzufahren, ist ein einmaliges Erlebnis. In der großen Halle, die einst ein Heizhaus war, stehen neben diversen E-Loks, Triebwagen und Waggons auch insgesamt 40 Dampfloks dicht an dicht, von denen 8 betriebsbereit sind. Die älteste von ihnen stammt aus dem Jahr 1891 und war einst als Schnellzuglok auf der Südbahn unterwegs. "Es ist die älteste betriebsfähige Lok Österreichs", erklärt Rupert Gansterer stolz.

"Kein Museum unterm Glassturz"

Dichtgedrängt stehen die alten Dampf- und E-Loks im Strasshofer Heizhaus. Bei einigen Dampfloks kann man heute auch selbst im Führerstand mitfahren.
 - © Jasmin Ziegler
Dichtgedrängt stehen die alten Dampf- und E-Loks im Strasshofer Heizhaus. Bei einigen Dampfloks kann man heute auch selbst im Führerstand mitfahren.
- © Jasmin Ziegler

Der Vizepräsident des 1. Österreichische Straßenbahn- und Eisenbahnklubs (1. Ösek) betont, dass die riesige und beeindruckende Sammlung, "nicht ein Museum unter dem Glassturz sein soll, sondern für große und kleine Kinder Eisenbahngeschichte zum Anfassen". Auf die uralten Loks zu klettern ist daher nicht verboten, auch wenn es sich um wahre Schätze handelt. "Wir haben hier in Österreich - in Strasshof und anderen Eisenbahnmuseen - eine der wertvollsten Eisenbahnsammlungen der Welt", stellt Gansterer fest. Und so gibt es insgesamt mehr als 300 Fahrzeuge zu bewundern, dazu noch eine umfangreiche Bibliothek mit Fachliteratur, eine Sammlung mit 5000 Fahrkarten, ein Fotoarchiv, Signale, Stellwerke - und eine Garteneisenbahn. Wer hier auf Entdeckungsreise geht, wird an einem einzigen Tag gar nicht fertig.

Begonnen hat alles im Jahr 1885. Damals wurde das Österreichische Historische Eisenbahnmuseum gegründet, das ursprünglich in zwei Räumen am Wiener Westbahnhof angesiedelt war. 1914 übersiedelte es in den Neubau des Technischen Museums, in der Zwischenkriegszeit kam dann ein Großteil der Flachware (Pläne und anderes) ins Staatsarchiv, zuständig waren aber immer noch die 1920 gegründeten ÖBB. Deren Generaldirektion erteilte 1962 die Weisung, von jedem ausgemusterten Loktyp ein Stück aufzuheben. "Da ist dann natürlich viel zusammengekommen", erzählt Gansterer, "viele Loks wurden ab 1974 vor dem Technischen Museum im Freien aufgestellt - ein Wahnsinn!" Denn Regen und Kälte setzten den stehenden Lokomotiven natürlich ordentlich zu.

Im Winter ist das Museum geschlossen, trotzdem wurde intensiv gearbeitet, damit der Blaue Blitz rechtzeitig fertig wurde.
 - © Jasmin Ziegler
Im Winter ist das Museum geschlossen, trotzdem wurde intensiv gearbeitet, damit der Blaue Blitz rechtzeitig fertig wurde.
- © Jasmin Ziegler

Ein Teil des gesammelten Fuhrparks landete aber auch in Strasshof, wo bis 1978 eine Zugförderstelle in Betrieb war. Und von wo aus am 31. Dezember 1976 der letzte reguläre Güterzug mit einer Dampflok abfuhr. 1984 eröffnete der 1. Ösek hier dann das Eisenbahnmuseum, im Jahr zuvor hatte das Wissenschaftsministerium von den ÖBB die Verantwortung für die Österreichische Eisenbahnsammlung übernommen, die nun auf rund 20 Orte im ganzen Land aufgeteilt ist. Heute umfasst die staatliche Sammlung 150 Fahrzeuge, 77 davon stehen in Strasshof, die übrigen hier ausgestellten Stücke gehören dem Verein selbst oder Privatpersonen.