Ein Wiener Start-up hat eine App erfunden, die Radio auf dem Handy sichtbar machen kann. - © Tonio
Ein Wiener Start-up hat eine App erfunden, die Radio auf dem Handy sichtbar machen kann. - © Tonio

Wien. Für diese Idee hat er den Radiopreis in der Kategorie Innovation gewonnen und den Medienzukunftspreis: Eine App, die Radio sichtbar machen kann. Oder es ermöglicht, aktiv an einer Fernsehshow teilzunehmen. "Mit dieser App wollen wir von Wien aus einen internationalen Standard schaffen", erklärt der App-Erfinder und Lounge-FM-Senderchef Florian Novak im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" seine Vision für die neue App namens Tonio.

Das Prinzip ist denkbar einfach: Durch einen unhörbaren Code, welcher mit dem Audiosignal verwoben wird, können zum Beispiel TV- oder Radiosender Informationen versenden. Smartphones und Tablets decodieren mit der App dieses Signal und stellen es dann in gewünschter Form dar. "Man hört zum Beispiel die Nachrichten im Radio und es liegen gerade die endgültigen Wahlergebnisse vor. Der Moderator oder die Moderatorin erklärt die wichtigsten Fakten daraus und gleichzeitig werden die Detailergebnisse auf‘s Handy geschickt - sofern Tonio installiert und aktiviert ist", erklärt Novak. "Oder die Lufthansa streikt und man bekommt eine Liste mit den betroffenen Flügen auf’s Handy geschickt."

Als weiteres Beispiel nennt Novak die Möglichkeit, die App bei Quizsendungen einzusetzen. Einen Testlauf hat es bereits gegeben: Während einer Radiosendung auf Lounge FM wurden die Quizfragen direkt auf die Handys geschickt. "Damit demokratisieren wir das Quizerlebnis. Mit unserer Technologie könnte zum Beispiel in Zukunft jeder vom Wohnzimmer aus an der Millionenshow teilnehmen."

Wie ein QR-Code für Audio

Und das Ganze funktioniert laut Florian Novak genauso mit Fernsehen oder Kino - selbst im Fußballstadium könnte man dieses Medium nutzen. Überall, wo es auditiven Output gibt. Also ähnlich wie ein QR-Code (Quick Response) für Audio, nur dass bei Tonio Töne in visuelle Informationen übersetzt werden können und beim QR-Code eigentlich nur visuelle Informationen mit anderen visuellen Informationen verlinkt werden.

Derzeit wird Tonio in der Kinowelt ausgetestet: In allen modernen Kinos werden Quizfragen zum Film ausgeschickt. Zu gewinnen gibt es dann zum Beispiel Gutscheine. Wie das Ganze funktioniert, will Novak nicht verraten, "aber ich kann versichern, Menschen und Tiere kommen dabei nicht zu schaden", so Novak.

Die Idee war schnell gefunden. Auch die technische Umsetzung war relativ schnell erledigt. Am längsten sei er am Erscheinungsbild gesessen. Und bei der Namensfindung, erzählt Novak. Es galt nämlich einen Namen zu finden, den man sich leicht merkt, der in der jeder Sprache leicht auszusprechen ist und für den es noch eine freie, leistbare .com-Adresse gibt - schließlich will er mit der App von Wien aus die Welt erobern. Im Übrigen leitet sich der Name Tonio aus den Worten "Ton und Information" ab.

Der erste Schritt ist nun getan. Die Kino-Kampagne ist dieser Tage angelaufen und vonseiten der Fernsehsender wird ebenfalls schon Interesse bekundet. "Und die Radiosender werden hoffentlich auch noch draufkommen. Denn in einem zweiten Schritt kann es durchaus auch so weit gehen, dass du einen Radiosender hörst und dir den Link zur Sendung schicken lässt, um sie dir später anzuhören, weil du jetzt keine Zeit mehr dafür hast", meint Novak.

Ein Henne-Ei-Thema

Natürlich funktioniert das nur, wenn der jeweilige Sender das unterstützt. "Das ist uns wichtig. Wir wollen, dass der Sender kuratiert und kontrolliert. Wir selber können und wollen da gar nichts mitschicken."

Ein Selbstläufer sei die Idee mit Tonio aber nicht gewesen, weil es sich um ein "Henne-Ei"-Thema handle: Man braucht die App, um Informationen empfangen zu können. Und man braucht entsprechende Medien, die diese Informationen senden wollen.

Jeder sei von Anfang an begeistert gewesen, erzählt Novak. Trotzdem schraubt er jetzt schon seit eineinhalb Jahren an seiner Idee herum und erst jetzt scheine alles schön langsam ins Rollen zu kommen. Aber vielleicht ist es auch ganz gut, wenn sich bei diesem Start-up das Sprichwort "Gut Ding will Weile haben" bewahrheitet. Schließlich sind die Ziele hoch gesteckt.

"Unser Vorbild für Tonio ist Dolby oder Imax: Du gehst nicht ins Kino, weil Dolby dabei steht. Aber trotzdem weißt du, dass Dolby für Qualität steht. Und du schaust, dass du dir vielleicht einen bestimmten Film in einem Imax-Kino anschauen kannst. Aber du gehst nicht wegen Imax ins Kino." Das heißt in diesem Konzept steht immer das Medium im Vordergrund - der Radio- oder Fernsehsender, der Werbekunde. Und die werden im Fall von Novaks App dabei unterstützt, weiterführende Informationen auf Smartphones zu übertragen - ohne Wifi oder Bluetooth.

Jedenfalls ist Florian Novak stolz auf seine Erfindung. Nicht zuletzt weil er sich damit auch als Brückenbauer versteht. "Ich finde, mit Tonio wird die lineare Broadcastwelt mit der Fernbedienung des Alltags, dem Smartphone, wieder versöhnt. Und das finde ich schön."