Wenn man aus dem Fenster der Hafenverwaltung schaut, dann scheint sie da zu sein, die große weite Welt, wie sich das für einen Hafen gehört. Auf den Containern ist zu lesen "China Shipping", "Hamburg Süd", "Hapag Lloyd" oder "Maersk Seeland", der Name der dänischen Reederei, der weltweit größten für Containerschiffe.

Seltsam ist nur, dass man zunächst weder Wasser noch Schiffe sieht. Um beides zu finden, muss man ins Auto steigen und an den hoch aufragenden Containerstapeln vorbeifahren, bis man an den Kai des alten Winterhafens Freudenau kommt. Vertäut ist allerdings nur ein einziges Schiff, der "Eisvogel", der robuste, alte Eisbrecher, der im Sommer naturgemäß nicht allzu viel zu tun hat.


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Hafen Wien
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"Die Schiffe", erklärt Fritz Lehr, kaufmännischer Direktor des Hafen Wien, "legen hier nur kurz an, werden entladen und sind gleich wieder unterwegs." Im Unterschied zu den Passagierterminals bei der Reichsbrücke, die wahrscheinlich die meisten Stadtbewohner kennen, gibt es hier, in der Freudenau, keine Fahrpläne. Die zwei Hafenkapitäne erfahren relativ kurzfristig von der Ankunft eines Schiffs und müssen flexibel genug sein, um die Entladung zu organisieren. Pro Jahr sind es in den drei Häfen Freudenau, Lobau und Albern ungefähr 1000 Schiffe.

Das Wasser und die Schiffe spielen in Wahrheit auch gar nicht die Hauptrolle. Der Hafen Wien ist vor allem ein Logistikzentrum, an dem Lkw, Bahn und Schiff zusammentreffen. Fünfzig Prozent des Umsatzes kommt über LKW, vierzig Prozent von der Bahn und zehn Prozent über Schiffe. Obwohl im Grunde genommen, wie Doris Pulker-Rohrhofer, technische Direktorin des Hafen Wien, betont, "der Wasserweg ökonomisch und ökologisch günstiger ist als Schiene oder Straße". (Nach Schätzungen der Europäischen Union werden in Europa nur ungefähr fünfzehn Prozent der Kapazitäten der Wasserwege genützt.)
Mit Sicherheit ist der Transport auf dem Wasser eine der ältesten Methoden, die Stadt mit den lebensnotwendigen Gütern zu versorgen.

Die Länden (Nußdorfer Lände, Heiligenstädter Lände, Spittelauer Lände, Brigittenauer Lände, Rossauer Lände, Weißgerberlände, Erdberger Lände, Simmeringer Lände) und später der Handelskai sind über Jahrhunderte hinweg der Platz gewesen, über den Gütern vom Schiff in die Stadt kamen. Erst im Zug der Donauregulierung Ende des 19. Jahrhunderts baute man die Kais aus und 1902 wurde feierlich der Winterhafen in der Freudenau eröffnet, ein Platz, an dem allerdings immer wieder Schiffe durch Hochwasser und Eisstöße zerstört wurden.