Wien.Der Krieg war vorbei, doch der Hunger hielt an. In den Jahren nach 1945 galt Wien als "hungrigste Großstadt Europas." Durchschnittlich erhielt eine Person pro Tag 980 Kalorien - die Sterberate war dreimal höher als 1930. Es waren unter anderem Pakete, gefüllt mit Margarine, Fleisch, Zucker, Milchpulver und anderen Lebensmitteln, welche den Hunger der Bevölkerung stillten. Über eine Million solcher Pakete lieferte die private Hilfsorganisation Care bis 1955 nach Österreich - im Schnitt erhielt jeder siebte Österreicher ein Paket.

Am 27. November 1945 wurde Care von 22 amerikanischen Hilfsorganisationen in den USA gegründet. Am 19. Juli 1946 - genau vor siebzig Jahren - kommen die ersten Care-Pakete aus den USA am Wiener Franz-Josefs-Bahnhof an. Sie lindern den Hunger der notleidenden österreichischen Bevölkerung. Die "Wiener Zeitung" blickt in ihr Archiv: "An der Auslieferungsstelle der Care-Aktion herrscht gegenwärtig Hochbetrieb. Angehörige der amerikanischen Armee haben 1000 Care-Pakete für ihre österreichischen Freunde bestellt und damit ihre bisherigen Spenden auf 18.000 Pakete gesteigert", heißt es in der Ausgabe vom 21. Dezember 1946. 5000 weitere Pakete seien zudem für die österreichischen Gewerkschaften gespendet worden. Zuvor waren noch am 25. Juli 1946 zehn der ersten Pakete von US-General Clark an Bundespräsident Karl Renner übergeben worden.

Fokus auf Schulen und Spitäler


Anfangs erhielten nur Menschen Pakete, welche Bekannte in den USA hatten. Mit der Zeit trafen allerdings auch "general relief"-Pakete in Österreich ein. Das Bundesministerium für soziale Verwaltung entschied, wer diese Pakete erhielt - meist waren es Altersheime, Krankenhäuser und Schulen. So berichtete die "WZ" am 8. Mai 1948, 120 Care-Pakete seien an kinderreiche Familien im katholischen Jugendheim im Neuwaldegger Schloss verteilt worden. Der bei der Verteilung anwesende Pater Flanagan "gab der Überzeugung Ausdruck, dass Österreich wieder frei werden und an der Festigung der Menschenrechte werde mithelfen können."

Anfang Juni 1948 wurden bereits mehr als eine halbe Million Care-Pakete in Österreich im Wert von damals rund 5,5 Millionen US-Dollar in Österreich ausgeliefert. In Österreich war man der Organisation für die dringend benötigten Pakete äußerst dankbar: Aufgrund der mehr als dreijährigen karitativen Tätigkeit schlug die Bundesregierung unter Bundeskanzler Leopold Figl am 4. Februar 1949 die Care sogar für den Friedensnobelpreis vor. Als Begründung für den Vorschlag heißt es in der "WZ" unter anderem, die Care hätte "bis November 1948 mehr als sieben Millionen Pakete im Werte von ungefähr 70 Millionen Dollar" in fünfzehn europäische Ländern versandt.

Auch Bücher gespendet


Neben Lebensmitteln und Kleidungsstücken für die Bevölkerung stellte die Care auch Sachspenden für den Bildungsbereich zur Verfügung. Aus der Ausgabe vom 25. Juni 1949: "Die Care und eine Reihe weiterer privater amerikanischer Hilfsorganisationen werden damit beginnen, wissenschaftliche und fachtechnische Bücher für kriegszerstörte Bibliotheken nach Europa und dem Fernen Osten zu senden." Selbst Jahre später erhielt Österreich noch weitere Pakete. 400 Kleider- und 100 Lebensmittelpakete wurden am 23. Mai 1953 in Österreich lebenden Flüchtlingen übergeben - gespendet wurden sie von Frauen aus Texas.

"Das Wort "Care-Paket" ist als neue Vokabel in unsere Sprache aufgenommen worden. Wenn wir es übersetzen, heißt es: Beweis uneigennütziger Hilfe, Band der Menschlichkeit, das die Kontinente verbindet", berichtete die "WZ". Mittlerweile ist Care zu einer der größten Hilfsorganisationen der Welt geworden. "70 Jahre später sind Care-Pakete nötiger denn je: Wir erleben die größte Flüchtlingsbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg - humanitäre Krisenherde wie Syrien, Jemen und Südsudan sind nur einige weitere Beispiele", sagte Andrea Wagner-Hager, die Geschäftsführerin von Care Österreich.

Mehr Infos unter:
www.care.at/70jahre