Wien. "Das ist eine alte Jeans, die hab ich selbst zum Rock umgenäht - Second-Hand-Schuhe - die Bluse ist von einer großen Kette, ja, aber die hab ich gebraucht erstanden - meine Lieblingsbluse!" Nunu Kaller, seit drei Jahren Kosumentensprecherin bei Greenpeace, steht groß und aufrecht da, nachdem sie ihr Fahrrad angekettet hat. Und sie wird nicht müde, über sich und ihre Anliegen zu sprechen.

Seit Jahren ist sie bereits ein Begriff in der Bio-Moden-Branche. Ihr Buch "Ich kauf nix! Wie ich durch Shopping-Diät glücklich werde" hat sie bereits 2013 veröffentlicht, seitdem folgt ein Interview-Auftritt dem nächsten und unzählige Male hat sie schon Bio-Fashion-Walks in Wien angeführt.

Das größte Bio-Mode-Grätzel in Wien ist nach wie vor Neubaugasse und Umgebung, bestätigt auch Kaller. Seit Jahren hält sich der Schwerpunkt im 7. Bezirk. "Eine Zeit lang sah es so aus, als bekäme er durch den 5. Bezirk Konkurrenz, aber das war doch nicht so", sagt Kaller zur "Wiener Zeitung". Geschäfte mit nachhaltiger Ware, vom Essen über Accessoires bis zum Gewand, befinden sich auch in den Seitengassen der Neubaugasse. "In der Kirchengasse gibt es mehr Bio-Läden als in ganz Manhattan", sagt Kaller. Es gehe viel weiter, aber es würden Läden auch immer wieder zusperren.

Im Aufwind sei gerade der 2. Bezirk. Rund um den Karmelitermarkt machen sogenannte Upcycling-Geschäfte auf sich aufmerksam. Und im 9. Bezirk vergrößert gerade eines der ersten Fair-Fashion-Geschäfte in Wien die Verkaufsfläche, das "Green Ground".

Für Kaller war ihre selbst auferlegte Shopping-Diät ein Schlüsselmoment. "Es hat mir gutgetan festzustellen, dass ich das Zeug nicht brauche", sagt sie. Sie hat Nähkurse gemacht, ist der Strick-Sucht verfallen und hat begonnen nachzudenken. "Nur fünf Euro für einen Rock, das kann sich nicht ‚menschengerecht‘ ausgehen", rechnet sie vor. "Ich bin dafür, dass alle den Konsum reduzieren und mehr auf Qualität schauen. Es geht um Slow-Fashion, um eine langlebigere Mode. Bio-Mode hält länger, daher ist sie unterm Strich nicht teurer", sagt Kaller. Was ihr die Umstellung leichter gemacht hat, war ihre Erziehung. "Meine Mama hat je nach Saison gekocht. Und wir sind mit dem Einkaufskorb statt mit dem Plastiksackerl einkaufen gegangen."

Vieles musste sie sich jedoch erarbeiten. Sie las unzählige Bücher, mistete ihre Kleiderschränke aus und lernte Second-Hand-Läden und Tauschbörsen kennen. "Second-Hand nimmt zu, da gibt es nur in Wien noch nicht genug", sagt sie. Der Re-Faishionista- und Do-it-yourself-Trend sei ungebrochen und werde stärker. Und die Kleidertauschpartys seien sowieso stark im Kommen. "Es ist mir immer noch wichtig, wie ich ausschaue. Ich mag nicht, dass man mir schon von weitem ansieht, ah das ist Öko", so Kaller. Aber die Bio-Mode hätte sich weiterentwickelt und wäre durchaus schon modisch. Die Schuhproduktion sei noch eine Katastrophe. 90 Prozent des in Schuhen verarbeiteten Leders ist chromgegerbt. Das sogenannte Chrom VI sei hochgiftig.

Heute hetzt Kaller nicht mehr Kleidungsstücken nach, in die sie hineinpassen will. "Fünf Kilo abnehmen, um reinzupassen, das ist es mir nicht mehr wert", sagt sie. Denn Selbstbild und Konsumverhalten hängen für sie eng zusammen. Dennoch muss auch sie zugeben: "Der Bio-Bereich wird wohl eine Nische bleiben." Der weltweite Anteil bei Bio-Baumwolle liegt bei 0,2 bis 2 Prozent. Mehr sei da zurzeit nicht drinnen. "Auch jene Menschen, die nachdenken und sagen, das geht so nicht, werden wohl in der Minderheit bleiben", meint Kaller. "Auch ich kann nicht mein ganzes Leben unter den ökologischen Scheffel stellen. Dafür reise ich viel zu gerne und esse auch hin und wieder meinen Sonntagsbraten." Nachsatz: "Du kannst in unserer Welt nicht alles richtig machen."

Bereits zum neunten Mal findet in der Tabakfabrik in Linz Österreichs größte Messe für öko-fairen Lifestyle statt. Rund 200 Aussteller aus ganz Europa präsentieren ihre öko-fairen Produkte. Die Wearfair begann 2008 als kleines Mode-Event für Konsumenten in der Linzer Kunstuniversität. Im Jahr 2013 wurde sie auf viele Bereiche ausgeweitet. So gibt es neben Kleidung und Kosmetik auch Mobilität, Lifestyle und Ernährung zu dem Thema. "Wir möchten die Besucher dem Alltag entreißen und auf eine fantastische Reise in eine öko-faire Welt mitnehmen", sagt Wearfair-Leiterin Maria Wimmer. Ein Highlight ist die Modenschau mit dem Titel "Reflect Me Not?!". Die Umsetzung und Ausstattung der Modenschau liegt dieses Jahr in den Händen von Marlena Gubo, die bereits die künstlerische Produktion des Life Balls überhatte.

Um Konsumenten auch nach der Messe die Kaufentscheidung zu erleichtern, veröffentlicht Südwind einen "Label Check", der Gütesiegel und ihre Standards erklärt. Die Organisatoren der Messe sind Klimabündnis, Global 2000 und Südwind. Rund 13.000 Besucher werden erwartet.