- © Vienna Comic Con/Christian Husar
© Vienna Comic Con/Christian Husar

Wien. Batman spreizt seine gewaltigen Flügel, während Deadpool an mehreren Stellen gleichzeitig zu sein scheint. Ihn stört es manchmal, dass er ab und zu mit Spiderman verwechselt wird. Harley Quinn hingegen verzückt die giftige Poison Ivy mit ihrer Erscheinung und dem gewaltigen Hammer in ihren Händen. Dahinter beschützt ein White Walker den Eisernen Thron und beobachtet mit kalten Augen den Zauberer Gandalf, der mit seinem Magierstab an K.I.T.T. aus "Knight Rider" vorbeistolziert.

Szenen wie diese prägten voriges Jahr die erste Vienna Comic Con in der Messe Wien und sind wohl auch an diesem Wochenende wieder dort zu sehen. Zur Erläuterung: Eine Comic Con(vention) ist eine Zusammenkunft von Comic-, Fantasy-, Manga-, Anime-, und Science-Fiction-Fans. Eines der großen Merkmale hierbei ist das sogenannte Cosplay, bei dem sich Besucher in wochenlanger Arbeit selbst Kostüme nähen oder zusammenstellen, um ihre Lieblingscharaktere vor Ort zu verkörpern. Andererseits besucht man eine Convention wegen der sogenannten Panels zu verschiedenen Filmen und Serien - und natürlich wegen der Stargäste, zu denen heuer Jeri Ryan alias Seven of Nine aus "Star Trek Voyager", Gemma Wheelan und Kristian Nairn aus "Game of Thrones", Michael Cudlitz aus "The Walking Dead" und Billy Boyd aus "Herr der Ringe" zählen. Und nicht zu vergessen ist natürlich das Merchandise-Segment. Auf den Cons sind oft Artikel erhältlich, an die man in Österreich sonst nur schwer oder gar nicht kommt.

Barbara Leithner, Senior Director der Vienna Comic Con, ist selbst kein Nerd, wie Hardcore-Comicfans gerne bezeichnet werden. "Ich kannte vor zwei Jahren nur Batman und Superman, habe mich aber seitdem nerdig etwas weiterentwickelt", erzählt sie. Ihr Team ist jedenfalls "mit Haut und Haaren in der Szene drinnen - wir suchen auch immer den Kontakt zu den Fans, um in allen Sparten und Genres auf dem aktuellsten Stand zu sein, welches Spiel gerade neu erscheint oder welche Serie voll im Trend liegt".

Inzwischen hätte Leithner auch schon ein fiktives Alter Ego gefunden: "Sollte ich jemals selbst der Cosplay-Versuchung erliegen, fiele meine Wahl auf eine Figur aus ,Herr der Ringe‘: Galadriel, die Elbenkönigin. Mit einem Diadem und einem fließenden, weißen Kleid. Ich denke auch, dass ihre Aura zu mir passt. Nie in der ersten Reihe stehend, aber immer überwachend und allwissend", meint sie lachend.

Die Jagd nach den internationalen Stars

Schon die erste Vienna Comic Con im Vorjahr war ein Erfolg, sagt Pressechef Oliver-John Perry: "Im Vorfeld haben wir uns andere Conventions angesehen und uns gefragt, ob es bei uns ähnlich toll funktionieren wird. Wir hätten uns nicht in den kühnsten Träumen vorstellen können, wie bunt es schließlich geworden ist. Wir konnten das gar nicht beeinflussen. Das waren alles die Fans."

Warum überhaupt eine Comic Con in Wien? Vor zwei Jahren wandten sich US-Kollegen, die unter anderem die New York Con organisieren, an Leithner, um den europäischen Markt zu sichten. "Bisher gab es nur in London eine ähnliche Veranstaltung, aber in Mittel- und Osteuropa nichts Vergleichbares. Wir haben erkannt, dass wir in Österreich von unserer Struktur her gut aufgestellt waren. Wien war für Consumer-Messen bekannt, und wir kannten das Marketing-System bereits sehr gut", erklärt Leithner.

Zunächst galt es, die Big Player im Segment wie Sony, Nintendo, Disney oder Universal zu überzeugen. "Wien war eigentlich sehr passend, weil es ein neutraler Boden ist. Soll heißen: keine Konkurrenz wie zum Beispiel die Gamescom in Köln", so die Veranstalterin. Das Ziel war gute Erreichbarkeit aus Mittel- und Osteuropa, um sozusagen ein Festival-Wochenende mit einer "typisch amerikanischen Con" anzubieten. Auch wenn die Kernzielgruppe die Hardcore-Fans bleiben, sollen sich auch Nicht-Nerds hier wohlfühlen. Man will also ein breiteres Publikum ansprechen.

Als Neuling hat man es freilich immer schwer. Besonders wenn es darum geht, Stars und Sternchen nach Wien zu lotsen. "Die Buchung erfolgt ja über deren Agenten. Und da spielt das Finanzielle eine Rolle, aber nicht nur: Man muss auch einplanen, inwiefern Schauspieler, die wir gerne als Gäste hätten, in beruflichen Verpflichtungen stehen. Vor allem ist es wichtig, sich ein Renommee aufzubauen", weiß Leithner. Dies scheint zu gelingen: So gab es von "Breaking Bad"-Darsteller Giancarlo Esposito, den im Vorjahr zehn Fans im Haas-Haus mit Blick auf den Stephansdom zu einem Abendessen trafen, nachher ein sehr positives Feedback.

Licht und Schatten - Eskapismus und Sexismus

Neben den Stargästen ist zweifelsfrei der Cosplay-Contest, ein Wettkampf um das schönste Kostüm, einer der Höhepunkte. Das Niveau war schon im Vorjahr sehr hoch. Das bestätigen auch Regina Schmidt und Evelina Kocnar, die beide seit Jahren zur Cosplay-Szene gehören. Schmidt ist über die Kostüme in der alten TV-Serie "Batman" mit Adam West zum Cosplay gekommen: "Für mich ist es ein Ausbruch aus der Realität. Eine andere Rolle spielen, einmal jemand ganz anderer sein." Kocnar dagegen rutschte mehr oder weniger in die Szene hinein, ohne es zu bemerken: "Ich habe das Videospiel Pokemon gespielt. Zu der Zeit hat eine Freundin die Kostüme zu den Figuren selbst genäht. Das wollte ich dann auch. Und irgendwann habe ich gemerkt: Das ist ja Cosplay, was ich da mache."