Wien. Es ist ein schwarzer Tag für die Wiener Fleischerbranche, ein weiterer. Das Gerücht, dass Trünkel die neun der ursprünglich 25 Filialen im April 2017 schließt, hat sich als wahr erwiesen.

Nach vier Generationen Familienbetrieb ist es mit Trünkel im April 2017 vorbei. - © Arnold Burghardt
Nach vier Generationen Familienbetrieb ist es mit Trünkel im April 2017 vorbei. - © Arnold Burghardt

"Es war selbstverständlich keine Entscheidung, die in den letzten Wochen getroffen wurde. Wir haben uns das sehr genau überlegt. Es ist eine sehr weitreichende Entscheidung, wenn man ein Unternehmen nach 111 Jahren zusperrt", sagt Geschäftsführer Hans Trünkel gegenüber der "Wiener Zeitung".

Den Druck, den die "Leopold Trünkel GmbH" die vergangenen Jahre ausgesetzt war, sei zu groß gewesen. "Deshalb mussten wir frühzeitig eine Entscheidung treffen. Wir haben es nicht an die große Glocke gehängt. Das wäre ja Selbstmord gewesen, wenn wir das gemacht hätten", erklärt Trünkel. Es war laut Hans Trünkel eine "unausweichliche unternehmerische Entscheidung", die er mit dem "erdrückenden Preiskampf in der Fleischwarenindustrie sowie der Vorausschau, die wenig positiv stimmt" erklärt er.

Ein Drittel des Umsatzes verloren

Das Wiener Traditionsunternehmen hat in den vergangenen fünf Jahren Verluste erwirtschaftet und ein Drittel seines Umsatzes verloren. "Würden wir nicht schließen, dann würde es zu einer Insolvenz kommen. Es ist ja nicht so, dass wir wegen Reichtum schließen", sagt Trünkel.

Zwei von neun Filialen werden von einem Mitbewerber übernommen und als Fleischereigeschäft weitergeführt. Für 25 Mitarbeitern an den beiden Standorten am Gersthofer Markt im 18. Bezirk und am Floridsdorfer Franz-Jonas-Platz ist die Zukunft gesichert. Für die weiteren sieben Standorte, wie jener am Viktor-Adler-Markt oder jener in der Schottentorpassage, gibt es aktuell keine Interessenten. "Wir haben versucht, die Filialen beim Mitbewerber unterzubringen, aber wir waren leider nicht erfolgreich. Das sieht man an dem nichtvorhandenen Interesse, wie schwierig es für die Branche ist", erörtert Trünkel.

Ende April 2017 schließen die Trünkel-Feinkostgeschäfte die Tore. Es könnte aber auch bereits im März sein. Das weiß Hans Trünkel nicht so genau. "Ich habe noch nie einen Betrieb zugesperrt. Jetzt geht alles den gewohnten Gang weiter. Wir beliefern weiterhin unsere Kunden in der Gastronomie wie auch im Handel. Alles läuft genauso weiter", so Trünkel.