Seit der inkriminierten Tat soll die junge Frau laut Gutachten an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden. Besonders unter der sozialen Ausgrenzung soll sie leiden. Von männlichen, türkischen Freunden seien der Frau Schuldgefühle eingeredet worden, berichtet Aziz. "Was machst du auch dort in der Nacht?", habe man die Austauschstudentin gefragt. Auch mit ihren Eltern in der Türkei könne die Frau nicht darüber reden, da Vergewaltigungen in ihrer Heimat ein Tabuthema seien.

Nach den Eröffnungsplädoyers werden die Angeklagten zur Tat befragt. "Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dem Mädchen nachzugehen?", fragt Gerstberger den Erstangeklagten. "Niemand hat diese Idee gehabt", antwortet der 18-Jährige. "Warum geht man dann auf die Frauentoilette?", hackt Gerstberger nach. "Nur so. Wir waren betrunken", meint derselbige. Er könne sich an den Vorfall nicht erinnern. "Reden Sie nicht so blöd daher", sagt Gerstberger, der auf die ausführliche polizeiliche Vernehmung des Erstangeklagten verweist. Daraufhin berät sich der junge Mann kurz mit seinem Verteidiger Martin Mahrer. "Ich verweise auf meine polizeiliche Aussage", gibt er nach den Beratungen an.

"Habe das Gesetz nicht gebrochen"

"Es war meine Idee", sagte der Drittangeklagte und Jüngste des Trios bei seiner Vernehmung über die ihm angelastete Vergewaltigung. Die anderen zwei Jugendlichen seien komplett betrunken gewesen. Vergewaltigt habe er die junge Frau aber nicht. "Auf Ihrem Penis wurden DNA-Spuren der Frau gefunden. Wie erklären Sie sich das?", fragt Richter Gerstberger nach. Das könne er sich nicht erklären, antwortet der 16-Jährige. "Ist Ihnen klar, dass Sie Regeln und das Gesetz gebrochen haben?", will die beisitzende Richterin Alexandra Skrdla wissen. "Ich habe das Gesetz nicht gebrochen", sagt der Drittangeklagte.

"Und in der Justizanstalt: Ist dort alles gut?", fragt Skrdla. Nein, sagt der 16-Jährige. Er soll eine Woche nach der ihm angelasteten Tat in der Untersuchungshaft eine Justizwachebeamtin attackiert haben. Über diesen Vorfall wird am Dienstag nicht gesprochen. Das Verfahren dazu wird gesondert geführt.

Für die ihnen angelastete Vergewaltigung drohen den zum Tatzeitpunkt jugendlichen Angeklagten eigentlich fünf Jahre Haft. Da die posttraumatische Belastungsstörung der Studentin aber als schwere Körperverletzung qualifiziert wird, erhöht sich der Strafrahmen auf insgesamt siebeneinhalb Jahre. Ein Urteil gab es am Dienstag nicht. Die Verhandlung wurde auf den 31. Jänner 2017 vertagt.

Die psychiatrische Sachverständige, welche die Frau untersucht hatte, hat auf das gerichtliche Ersuchen um ein Ergänzungsgutachten bisher nicht reagiert. Sie hätte dem Gericht über die Schmerzperioden des Opfers berichten sollen. Dadurch kann die Höhe eines allfälligen Privatbeteiligten-Zuspruchs berechnet werden. Die drei Angeklagten bleiben bis zur Fortsetzung der Verhandlung in Untersuchungshaft.