Auf Waffenbesitzkarten gab es 2016 dreieinhalb Mal so viele Anträge wie im Jahr davor. - © Stanislav Jenis
Auf Waffenbesitzkarten gab es 2016 dreieinhalb Mal so viele Anträge wie im Jahr davor. - © Stanislav Jenis

Wien. Es ist das kleine, überschaubare Waffengeschäft "doubleaction", welches Gerhard Pöpl in Währing sein Eigen nennt. In den Vitrinen werden Gewehre, Pistolen und Zubehör wie Zielfernrohre ausgestellt. Überall stehen kleine und braune Pakete herum, die Waren für Vorbesteller enthalten. Zwei Mal treffen neue Lieferungen ein, immer wieder läutet das Telefon. Pöpl, ein großer, kräftiger Mann, sitzt bei einem Tisch gleich beim Geschäftseingang.

"2016 war durch hohen Umsatz und große Schwierigkeiten bei der Warenbeschaffung charakterisiert. Nicht der Kunde, nicht die Nachfrage, der Warenzufluss ist das Problem", sagt er. Je nach Marke müsse man etwa bis zu einem Jahr auf bestellte Patronen warten. Nur wer auf höherpreisige Ware setze, könne mit schnelleren Munitionslieferungen innerhalb weniger Wochen rechnen, erklärt er. Bereits im Herbst 2015 war viel vom "Waffenboom" die Rede - die "Wiener Zeitung" berichtete. Laut Pöpl ist das hohe Verkaufsniveau vom Herbst 2015 nur geringfügig abgeflacht.

Etwas kleiner sind die Umsätze nach Angaben von Markus Schwaiger vom Waffengeschäft "Euroguns": "Das massive Hoch war von November 2015 bis März 2016. Das konnte nicht gehalten werden. Aber: Seit April 2016 haben sich die Verkäufe auf dem circa Fünffachen der Vergleichsmonate des Vorjahres eingependelt."

Mehr Waffenbesitzkarten


Auch offizielle Zahlen deuten darauf hin, dass eine große Nachfrage nach Schusswaffen besteht. Laut Landespolizeidirektion Wien wurden vom 1. Jänner bis 1. Dezember 2016 mit 5150 Anträgen mehr als dreieinhalb Mal so viele Anträge auf Waffenbesitzkarten (WBK) gestellt als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (siehe Grafik). Eine solche WBK berechtigt zum Erwerb und Besitz von zwei Waffen der Kategorie B. Dazu zählen Faustfeuerwaffen wie Pistolen, Revolver und bestimmte Langwaffen.

Rund 20 bis 25 Prozent der Teilnehmer bei seinen Kursen für die WBK seien Frauen, sagt Pöpl. Mehr als die Hälfte der Frauen würde gemeinsam mit ihrem Partner kommen. Nicht jeder, der eine WBK bekommt, dürfte sich allerdings auch gleich eine Waffe zulegen. "Circa ein Drittel der neuen WBK-Inhaber hat sich noch keine Waffe gekauft. Es ist ja wie mit dem Führerschein. Wichtig ist, dass man ihn einmal hat. Ob man sich dann ein Auto - oder eben eine Waffe - kauft, kann man sich ja noch in Ruhe überlegen", meint Schwaiger. Allerdings hat er in dieser Hinsicht auch Bedenken: "Mir macht es Sorgen, wenn sich Leute, die keine Erfahrung mit Schusswaffen haben, dann irgendwann doch eine Waffe kaufen."