Wien. Das kommt in Wien nicht alle Jahre vor: Der ungewöhnliche Dauerfrost im vergangenen Monat hat heuer nach langer Zeit wieder die Alte und die Neue Donau großflächig zufrieren lassen, was - trotz Warnung der Behörden - viele Leute zum Eislaufen auf Natureis genutzt haben. Das freut den Schlittschuhhandel. Er hat im Jänner ein deutliches Plus verzeichnet.

Nachfrage um 20 Prozent gestiegen

Ernst Aichinger, Berufszweigvorsitzender für den Sportartikelhandel in der Wiener Wirtschaftskammer, spricht von einem Umsatzanstieg von 20 Prozent gegenüber einem durchschnittlichen Wintermonat. Der Absatz von Sportwaren sei so wetterabhängig wie keine andere Branche. "Gibt es viel Schnee, verkaufen wir viele Rodeln, gibt es viele Eisflächen und ist zum Beispiel die Alte Donau für längere Zeit ordentlich zugefroren, schnellt der Eislaufschuhe-Verkauf in die Höhe", erklärt Aichinger. Was die zugehörige Ausrüstung anbelangt, stehe das Thema Sicherheit immer stärker im Fokus. Vor allem Kinderhelme würden oft gekauft, heißt es aus der Kammer.

Positive Nachrichten gibt es auch für den Wiener Hersteller Wifa, wie "ORF Wien" am Mittwoch berichtete. Wegen der niedrigen Umsätze in Russland ging der Traditionsbetrieb vorigen September in Konkurs. Nun haben zwei Investoren Interesse gezeigt. "Es laufen jetzt gerade noch die letzten Verhandlungen. Diese sollen bis Ende Februar abgeschlossen werden", sagt Wifa-Geschäftsführer Günter Greiner.

Die kostenpflichtigen Eislaufareale haben trotz gestiegenem Interesse an Schlittschuhen, allerdings keinen Gästezuwachs zu verbuchen. "Unsere Besucherzahlen liegen auf gleich hohem Niveau wie im Vorjahr", heißt es beim größten städtischen Schlittschuhvergnügen, dem Wiener Eistraum am Rathausplatz. Beim Wiener Eislaufverein (WEV) am Heumarkt liegt man aktuell unter dem Vorjahreslevel. Mit Stichtag 5. Februar besuchten in der heurigen Saison bisher 187.000 Menschen den traditionellen Eislaufplatz. 2016 waren es bis zu diesem Tag schon knapp 199.000.

Natureis als Konkurrenz für Wiener Eislaufverein

Das sei "nicht dramatisch", hänge aber wohl schon mit der Verfügbarkeit von Natureisflächen zusammen, meint Sprecher Peter Menasse. Er sprach allerdings von einer "gewissen Aufbruchstimmung in Richtung Eislaufen" dank des kalten Winters, was man auch an den gestiegenen Verkaufszahlen des am WEV ansässigen Shops bemerke. Insofern hofft Menasse auf einen mittelfristigen Vorteil. "Wir sahnen dann im nächsten Winter groß ab", meint er augenzwinkernd.

Wie viele Leute sich im Jänner auf der Alten oder Neuen Donau aufs Eis gewagt haben, kann man bei der MA 45 (Wiener Gewässer) nicht sagen. Man zähle hier nicht - im Gegenteil: Die Behörde rät regelmäßig vom Betreten der dortigen Eisflächen ab.

Denn selbst nach längeren Frostphasen bestehe wegen der Grundwasserströmungen entlang der Wasserarme eine nicht zu unterschätzende Gefahr, sagte ein Sprecher. Denn es komme immer wieder vor, dass Grundwasser mit einer Temperatur von rund acht Grad Celsius aufsteige und die Eisdecke gewissermaßen von unten anknabbere. Außerdem könne es durch die Wasserpegelschwankungen passieren, dass die Eisdecke in der Luft hänge, wenn der Wasserstand sinkt. Umso bedrohlicher ist es, wenn die Eisdecke brechen sollte. "Die Alte Donau ist bis zu sechs Meter, die Neue Donau bis zu sieben Meter tief", warnte der Sprecher. Noch einmal deutlich gefährlicher sei es, bei den jetzigen Plusgraden das Eis zu betreten.