Wien. Seit 50 Jahren gibt es in Wien Polizeibeamtinnen. Es war ein schwerer und steiniger Weg, bis sie sich in einem bis heute männlich dominierten Beruf behaupten konnten, aber 2017 sind sie fixer Bestandteil des polizeilichen Bereiches.

"Wir sind sehr stolz auf unsere Frauen im Polizeidienst. Sie sind kompetent und unverzichtbar. Daher legen wir auch größten Wert darauf, dass wir auch viele Frauen, auch mit Migrationshintergrund neu aufnehmen", sagt der Wiener Polizeioberst Johann Golob im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Schauen Sie, 54 Prozent der österreichischen Bevölkerung sind weiblich, daher ist es nur logisch, dass wir das bei der Polizeiarbeit auch abbilden wollen", ergänzt er.

"Holaubek-Mädels" als Vorreiter

Von einer prozentuellen Gleichstellung ist man aber nach wie vor weit entfernt, auch wenn sich der Frauenanteil erhöht hat (siehe Wissen). Ein Rückblick lohnt sich jedenfalls. Begonnen hatte alles im Herbst 1965, als der legendäre Polizeipräsident Josef "Joschi" Holaubek den ersten Polizeikurs für Frauen ausschrieb. Die Aufregung war groß, sowohl medial als auch polizeiintern. Holaubek ließ sich aber nicht beirren. Knapp 700 Bewerberinnen meldeten sich, 63 wurden nach einem aufwendigen Verfahren aufgenommen. Voraussetzung war eine Mindestgröße von 163 Zentimetern, Brille durften die Frauen keine tragen. Zudem mussten sie körperlich gesund sein. Von den Frauen hielten nur wenige durch. "Wir waren ein Fremdkörper im Männerstall. So war es uns nur erlaubt, eine für uns reservierte Stiege zu nutzen, und Smalltalk mit den Burschen war sowieso tabu", erinnert sich eine der ersten Polizistinnen, die mittlerweile pensioniert ist und ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Getragen wurden nur Röcke, und im Speisesaal gab es eine "Zweiklassengesellschaft", sprich einen eigenen Tisch für die auszubildenden Damen.

Zwei Jahre später, also 1967, erhielten die frischgebackenen Polizistinnen ihre Dienstzeugnisse und wurden als "provisorische Polizeiwachmänner" bezeichnet. Denn Frauen wurden in der archaischen Männergesellschaft nicht akzeptiert. Holaubek, der den Wirbel rund um die Aktion mitbekommen hatte, wagte es in der Folge nicht mehr, einen weiteren Kurs auszuschreiben. Das Projekt wurde vorläufig auf Eis gelegt, der nächste Anlauf erfolgte erst in den 1990er Jahren.